Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
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Es mar noch niemand in der Petrikirche, als der Küster.Sie ist ein altes, giebeliges, kreuzförmiges Gebäude, ohne Schön-heit. Der Fußboden ist mit Teppichen belegt. Das sollte manüberall, nicht bloß wegen der Wärme, sondern auch wegen derStille nachahmen. Man hört nicht, wenn jemand kommt, undschon dadurch entsteht die stille Einkehr bei sich selcht. DieNachwelt wird es nicht zu fassen vermögen, daß wir unsereSchauspielhäuser Heizen, damit die Zuschauer sich nicht erkältenund behaglich dasitzen, während wir die Kirchen, zu denen vor-zugsweise die Armen, oft nur halb Bedeckten, die Unglücklichenund die Alten, Schwachen und Frierenden eingeladen sind, zuOrten machen, in welchen im Winter der Gesundeste in Gefahrgerät, zu erkranken. Es ist ein merkwürdiger, lehrreicher Oiegen-satz, wenn wir anders zu belehren sind.

Ich habe mich recht erbaut in der Petrikirche, darum binich so redselig. Aber ich will es doch kurz machen.

Die Gemeinde hat mich nicht erbaut, denn es waren sehrwenig Menschen darin, vielleicht nicht hundert. Den Gesanghörte man kaum, und ohne die Knaben ans der Orgel hätte mannichts als diese gehört. Der Organist spielte auch meist zu stark;nur bei den Übergängen erbaute sein sanftes Spiel. Aber diePredigt hat mich erbaut.

Zuerst wurde ein Lied von sieben Strophen gesungen. Danntrat der Prediger vor den Altar, auf dein zwei Kerzen brannten,ohne Kruzifix. Ein junger Mann, mit Vatermördern (man ver-zeihe den Ausdruck aber man sollte ihn verbannen!) und einerweißen Halskrause angethan. Er sprach ein kurzes Dankgebet,das gereimt endigte. Dann wurden zwei Strophen eines neuenLiedes gesungen. Während dieses Gesanges kehrte der Predigerdem Altar das Angesicht, der Gemeinde den Rücken zu. Warum,weiß ich nicht. Dann las er das Sonntags-Evangelium am3. Sonntag nach Trinitatis, in dem Petrus nach einen: erfreu-lichen reichen Fischznge die Versicherung empfängt:Von nunan sollst du Menschen sahen!" Der Geistliche las mit richtigerBetonung und mit angenehmem Organe. Nun wurden wiederfünf Strophen eines dritten Liedes gesungen. Dasselbe, nicht