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morgen des vorigen Jahres schlug nur eine Wunde, deren Tiefeich zwar nicht gemessen habe, weil ich es nicht vermochte, die abernoch nicht heil ist. Ich hoffte, zu Ostern würde ich die verloreneRuhe wiedergefunden haben; Ostern kam, und ich hoffte nun aufPfingsten. Pfingsten kam und ging, und der ganze Juni ist auchschon vergangen. Ich hoffe wieder.
Es war zu hart, es kam zu unerwartet dieses herbe Los— einem Kinde zum heiligen Abend ein Weihnachtsgeschenkmachen, einen seiner Lieblingswünsche erfüllen und dadurch dieVeranlassung herbeiführen zu seinem Tode. — Nur, wer Ähn-liches erlebt hat, kann den Schmerz, den ich empfunden, nochempfinde, nachempfinden.
Ich habe dadurch sehr viel gelernt. In späteren Briefenwerde ich darauf zurückkommen. Nur das eine will ich jetzt be-rühren, daß ich dadurch nicht nur das Zerreißende, sondern auchdas Niederschlagende, Kraftlähmende des Schmerzes kennen gelernthabe. Erst seit Ende des vorigen Jahres weiß ich, was es heißt,zur Arbeit träge, unaufgeregt, folglich zum Aufregen ungeschickt,
hatte ausgeschrieben, was er am heiligen Abend beschert zu haben wünschte.Darunter war auch ein Tuschkasten; er stand an der Spitze. Dis Mutterkaufte ihm einen für 6 Sgr. Seine Freude darüber war groß. Wir warenüberhaupt am heiligen Abend so glücklich. Gleich am andern Morgen, nochnüchtern, will er mit Karl (seinem Bruder) und Hugo von Forstner einenBaum grün färben. Karl hatte ihm ein Stückchen Pfefferkuchen gegeben.Wahrscheinlich ist dasselbe auf das nasse Stückchen grüner Farbe zu liegengekommen, und er hat beide, im Eifer der Arbeit, zugleich verschluckt. Dennes fand sich nicht, als er es gleich nachher suchte. Aber schon nach etwazwei Minuten stellt sich Erbrechen ein, und die grüne Farbe wird nusge-brochen. Ungeachtet nun das Erbrechen fortging — der Apotheker erklärte,daß die Farbe unschädlich sei — ungeachtet der herbeigeholte Arzt,vr. Paetsch, noch andere Brechmittel anwandte, ungeachtet er sich vom erstenbis zum dritten Weihnachten ziemlich wohl befand, und ungeachtet allerMittel: Blutegel, Arzneien re. trat am 27. Dezember nachmittags ein Deli-rium ein, das ihn nicht wieder verließ. Eine heftige Kur: Eis essen, Eisauf den Magen, Salben, Fliegenpflaster re., alles streng fortgesetzt, vonI)r. Paetsch und dem Geh. Rat Barrez gemeinschaftlich verordnet. Nichtshalf, und am 28., morgens nach 10 Uhr, starb er, von uns allen umringtzu unserem unsäglichen Schmerze. Morgen soll er beerdigt werden.