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Sitten bei der ganzen äußeren Erscheinungsweise diejenige sei,welche den höheren Grad der Kultur anzeige, wird sich nicht inallen Fällen mit Bestimmtheit ausmachen und festsetzen lassen.Es hängt dies mit andern Umständen zusammen und ist zumTeil Sache des Geschmacks. Der Begriff der äußeren Kulturträgt daher eine Unbestimmtheit an sich, die sich gar nicht ent-fernen läßt; es ist ein fließender (fluktuierender) Begriff. Einkonstantes und ein veränderliches Moment liegt in ihm.Das erste ist abhängig und bedingt von der Idee der absolutenBildung und Bestimmung des Menschen, das andere ist abhängigvon Zeit, Ort, historischer Entwickelung und vom Geschmack.Zugleich finden wir hier noch einen neuen Gegensatz zum Begriffder Kultur, nämlich die Hpperknltur oder die Überfeine-rung. Roheit aus der einen, Überfeinerung auf der andernSeite, zwischen welchen die eigentliche wahre Kultur in derMitte schwebt. Denn wie das wahre menschliche Leben ohneeinen Grad äußerer Kultur gar nicht bestehen kann, so hebt dochauf der andern Seite eine Übertreibung in äußerer Entwickelung,in betreff der Nahrung, Wohnung, Kleidung und der Sittenein gesundes, einfaches, natürliches Leben ans. Diese Bemerkunghat die Streitfrage veranlaßt, ob das eine oder das andere,die Roheit oder die Überfeinerung, dem gesunden Leben denineisten Abbruch thue; ob z. B. eine fröhliche inenschliche Ent-wickelung und Bewegung des Lebens mehr gehindert werde durchdas Verzehren des rohen Fleisches oder durch die französischeKochkunst, durch vollständige Nacktheit oder die Verzerrungen derMode, durch das Wohnen auf Bäumen und unter Zelten oderdurch die peinliche Ängstlichkeit altholländischer Frauen in betreffihrer Wohnungen und Putzzimmer, durch ein ungeschlachtes Wesender Menschen oder durch die Fratzeu ueumodischer Zierpuppen.
8. Die innere Kultur, der höhere Teil derselben, weil derMensch wesentlich Geist, bezieht sich auf den Grad derEntwickelung, der produktiven Kraft und auf die Richtungder Geisteskräfte, d. h. der Erkenntnis-, Gefühls- und Willens-thätigkeiten der Menschen. Also hat die innere Kultur dreiverschiedene Zweige.