Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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Den» jedes organische Wesen entfaltet sich und wächst und ver-geht und stirbt nach ewigen, unwandelbaren Gesetzen, denen auchder Mensch unterworfen ist. Auch der Mensch ist in seinemWerden lind Vergehen als ein Produkt der Natur anzuseheu,und alles, was er wird und leistet, alles was die Erziehungaus ihm macht, oder nicht macht, muß nach Naturverhältuisseubeurteilt werde». Auch hier findet ein notwendiger enger Zu-sammenhang statt zwischen Ursache und Wirkung. Der Menschträgt ja, wie jedes organische Wesen, den Kenn und das Gesetzseiner Entwickelung in sich. Und dies nicht bloß von der geistigen,sondern auch von der leiblichen Seite, kurz vou seiten seinerganzen, einigen und einheitlichen Natur. Daher ist es auch diehöchste Weisheit des Arztes, sich für einen Diener und Priesterder Natur zu erklären. Er hat nichts zu schaffen, er hat nurden Gang der Natur zu belauschen, ihren Willen zu begünstigenund mögliche Schwierigkeiten und Hindernisse wegzuräumcn. DerArzt macht den Menschen nicht gesund, sondern die Natur nachihrer verehrungsvollen Weisheit, durch die sie sich als das Werkeines allweisen Schöpfers bewährt. In demselben Sinne, nämlichmit derselben Allgemeinheit, gilt auch vom Erzieher die Be-hauptung, daß nicht er eigentlich das Kind erziehe, sondern daßer störende Einflüsse abwehre und die guten Triebe, welche derMensch der Mutter Natur verdankt, zu stärken und ihnen Ge-legenheit zur naturgemäßen Thätigkeit zu geben suche.

Auf der einen Seite demütigt das Prinzip der Naturgemäß-heit den Stolz des Menschen und des Erziehers, aus der andernSeite aber erhebt es ihn. Es demütigt den Stolzen, der sichvermaß, zu wähnen, daß er es sei, der die Macht habe, das Kinduntrüglich zu einem guten oder bösen Menschen zu erziehen; derda meinte, daß er dem Kinde die guten Antriebe und Triebebrächte. Wie falsch war solche Ansicht früherer Jahrhunderte,und wie freuen wir uns, daß eine gesundere Ansicht der Naturuns die andere, nämlich die erhebende Ansicht gebracht hat, daßder Mensch überall mit reinen Trieben, wie mit allem, was erzu einem tüchtigen und gesunden Leben bedarf, ausgerüstet sei,daß es ihm in keiner Hinsicht an irgend einem Gute mangele,