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Bd. 3 (1876) Baumpfähle - Brasilien
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Brasilien (Geschichte).

Geistlichen gegen nicht römisch-katholische Einwan-derer fast nnübersteigliche Hindernisse fand. Inder Thal beschäftigten die Regierung die auswär-tigen Fragen am meisten; darunter die Verhält-nisse zu den südamerikanischen Republiken, überwelche B. eine Art Schutz- u. Aufsichtsrecht aus-znüben trachtete, die Grenzstreite mit Paraguay u.den europäischen Kolonien in Guiana u. die Frei-heit der Schifffahrt auf dem Amazonenstrom unddem La Plata. Über die bewaffnete Einmischungin Uruguay, welche von den europäischen Staatenals Beweis der Eroberungssucht B-s gedeutetwurde, gab die Regierung in einer vorn Ministerdes Äußern, Limpo de Abreu, verfaßten Denkschriftvom 19. Jan. 185-1 beruhigende Aufschlüsse, denenbald darauf die Zurückziehung des größten Theilsder brasilianischen Truppen aus Uruguay folgte.Infolge eines Verbotes, welches der Präsidentvon Paraguay 3. Oct. 1851 erließ u. nach wel-chem das Einlaufen fremder Kriegsschiffe in dieFlüsse der Republik Paraguay verboten wurde,entstand eine Differenz zwischen B. u. Paraguay,die aber ohne Resultat verlief. Rücksichtlich derEinwanderung gab die Regierung an, daß im I.1853 in 31 Colonicn 20,717 Einwanderer u. imI. 1851 in 31 Colonicn 21,810 Einwanderer sichniedergelassen hätten. Ende 1851 wurden Gold-lagcr von großem Reichthum im nördlichsten TheilB-s entdeckt u. zogen viele Spekulanten u. Colo-nistcn an. Bei der Eröffnung der jährlich im Früh-jahre sich versammelnden Kammern im Mai 1855trat der Minister Parana mit dein Entwürfe einersehr wichtigen Wahlgesetzveränderung vor die Kam-mer, welche die Wahlen aus Angehörige der betr.Wahlbezirke beschränkte. Der Entwurf wurde inbeiden Kammern mit Hilfe der liberalen Partei,für welche er günstig war, angenommen. Bei demFrühjahr 1856 erfolgten Tode des Ministerprä-sidenten, Viscomte da Parana, übertrug der Kaiserden Vorsitz im Ministerium dein KriegsmiuisterCaxias, jedoch trat zu Anfang des Jahres 1857ein Coalitionsministerium, mit dem Marquis vonOlinda an der Spitze, ans Ruder, welches in denKammern erklärte, daß die Förderung der Volks-wohlfahrt seine Aufgabe seiu sollte, zu deren Lösungeine zahlreiche u. kräftige Einwanderung wesentlichbeitragen müßte. Den Nicht-Römisch-Katholischensollten die gleichen bürgerlichen Rechte u. Freiheitihrer Religivnsübung gewährt werden, was jedochvor der Hand thatsächlich noch wenig Ausführungfand. In den nächsten Jahren fanden infolge derParteiverhältuiffe mehrere Erneuerungen des Mi-nisteriums statt, jeweilen im Sinne der Mehrheitder gesetzgebenden Versammlung. Eine größereBedeutung erlangte unter den sich folgenden Re-gierungen erst 1862 jene unter dem Vorsitze desMarquis von Olinda, welche sich indessen baldgeuöthigt sah, trotz ihrer conservativen Parteifarbeden Liberalen Zugeständnisse zu machen. Da siejedoch hierbei keine von beiden Parteien befriedigteund zugleich in einem Streithandel mit Englandwegen eines gestrandeten englischen Schiffes, sowiewegen der Verhaftung streitsüchtiger englischerOffiziere allzu große Nachgiebigkeit zeigte, mußteauch sie abtrcteu. Auf diesen Streit folgte 1861ein solcher mit der Nordamerikanischen Union, als

ein Schiff der letzteren ein secessionistisches im Ha-fen von Bahia wegnahm, wofür aber von Seiteder Union Genugthuung erfolgte. Wichtiger wurdeder Kampf, der bald darauf sämmtliche südöstlichenStaaten SAmerikas in Mitleidenschaft zog. Dieheftigen Parteikämpfe in Uruguay veranlaßten dieRegierung B-s zur Intervention in jenem Staate,um die daselbst wohnenden Brasilianer zu schützen.Die herrschende Partei in Uruguay, die der Blancos(Conservativen), rief die Hiife von Paraguay an(s. u. Argentinische Consöderation u. Paraguay),n. der Dictator letzteren Staates, Lopez, erklärteeine Intervention B-s in Uruguay als einenKriegsfall für Paraguay. B. beschleunigte um somehr sein Ünternehmeu gegen Uruguay, u. es ge-lang ihm 1865, die dortige Regierung durch derenGegner, die Colorados (Radikalen) unter Flores,zu stürzen. Die Folge war ein dreifaches Bllnd-niß zwischen B., der neuen Regierung von Uru-guay u. der Argentinischen Republik gegen Para-guay (1. Mai 1865), welcher letztere Staat in-zwischen bereits die Feindseligkeiten gegen B. er-öffnet hatte. Der lauge Krieg (s. u. Paraguay)endete erst 1870 mit dem Tode des DiktatorsLopez, nachdem er B. 600 Mill. Ll gekostethatte. Inzwischen hatte der Kaiser Pedro H., derohne Sohn ist, seine beiden Töchter verheirathct,u. zwar die ältere, die Thronerbin Jsabclla, mitLouis von Orleans, Graf von Eu, Sohn desHerzogs von Nemours (die jüngere ist 1871 ge-storben). Mai 1865 wurde in der Armee statt desbisherigen Werbesystems die Conscriptioncinge-fllhrt. Mehreren abermals rasch sich ablösendenMinisterkriscn folgte 15. Juli 1868 unerwarteteine neue, welche merkwürdiger Weise, trotz libe-raler Kammermehrheit, die konservative Partei audie Spitze der Regierung brachte. Die Kammerbeschloß ein Mißtrauensvotum gegen letztere undwurde aufgelöst. Mau sprach bereits von Secessioneinzelner Provinzen u. von Erklärung der Republik.Die neuen Wahlen fielen aber 1869 günstig fürdie Regierung aus, u. diese war somit befestigt.Desto energischer schaarte sich aber die liberaleOpposition zusammen u. verlangte nun u. a. auchReligionsfreiheit n. Begünstigung der Einwander-ung. Ihr gegenüber wuchs nun aber auch derFanatismus der katholischen Geistlichkeit gegen dendurch die Einwanderung Platz greifenden Pro-testantismus. Während im Übrigen trotz des Krie-ges mit Paraguay der Wohlstand B-s zunahm,entwickelte sich ein religiöser Conflict, welchernoch heute fortdauert. Der Bischof von Pcrnam-buco, Dom Vital d'Olinda, ein in Frankreich er-zogener Kapuziner, belegte 1873 jene kirchlichenBrüderschaften, welche unter ihren MitgliedernFreimaurer zählten, mit dem Interdikt, und dieBischöfe von Para u. Scio Paulo folgten seinemBeispiel. Die Freimaurer klagten bei der Re-gierung, namentlich da es sich heransstellte, daßder Erzbischof von Bahia u. a. Bischöfe ebenfallsthatsächlich die Freimaurer von der kirchlichen Ge-meinschaft ausschlossen. Die Regierung, unter den:Vorsitze des Visconde do Rio Branco, erklärte dasInterdikt für ungiltig u. verlangte dessen Zurück-nahme. Der Bischof von Pernambuco widcrsetztesich, indem er sich auf die päpstlichen Dekrete be-

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