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Bd. 3 (1876) Baumpfähle - Brasilien
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792
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792 Vraniitwcinwage Brant.

1819 auf Grund des allgemeinen Steuersatzes von

1 g. Gr. 3 Pf. von 4 Quart Blaseninhalt u. insteigenden Sätzen von 4 zu 4 Quart Blaseninhaltbesteuert. Es können aber auch Brcnnercibcsitzerzu einem erhöhten oder geringeren Blasenzins ver-pflichtet sein, sowie die Steuer auch durch einen Ver-trag mit der Steuerverwaltung fixirt werden kann.Nach den für die neuen Provinzen u. die anderenzum Norddeutschen Bunde gehörigen Gebietsthei-len erlassenen Gesetzen beträgt die Steuer von demim Jnlande erzeugten Branntwein für das preuß.Quart zu 50 pCt. Alkoholstärke nach dem Alko-holometer von Tralles "/,<! Sgr., u. wird sie er-hoben: s.) bei der Bereitung des Branntweins ausGetreide oder anderen mehligen Stoffen nach demRauminhalte der zur Einmaischnng oder Währungder Maische benutzten Gesäße (Maischbotlichstener);h) bei der Bereitung des Branntweins aus nicht-mehligen Stoffen nach der Menge der dazu zuverwendenden Materialien (Branntweinmatcrial-steuer). Dies ist in so fern von Einfluß auf denFruchtbau, als die stärkcmchlreichsten Stoffe, alsoGetreide und Kartoffeln, die wichtigsten Nahr-ungsmittel, zur Branntwciuerzengung verwendetwerden und deren Anbau besonders rentabel ist.Die B. ist überall im Verhältnisse zu den an-deren indirccten Stcnerarten sehr hoch bemessen,in Großbritannien am höchsten, u. zwar mit 8 Sh.per Gallone od. 25 Sgr. 5j Pf. pr. preuß. Quart.In Frankreich berechnet sich die Steuer auf 9 Sgr.

2 Pf. n. in Holland aus 4 Sgr. 4^ Pf. pr. preuß.Quart. Um die kleinen mit dem Landwirthschafts-betricbe verbundenen Brennereien vor der Concnr-renz der fabrikmäßig betriebenen großen Brenne-reien etwas zu schützen, besteht in Preußen, Sachsenn. Thüringen für solche, welche nur vom Nov. bisMitte Mai u. pr. Tag nicht mehr'als 1100 Kannenbrennen, die ermäßigte Steuer von 2^ Sgr. für 20Quart Maischraum. In Österreich wird seit 1868die B. bei allen Brennereien, welche zur Bcrgährungder Maische bestimmte Gefäße von mindestens 80Eimer Rauminhalt verwenden, von der Quantitätder Erzeugung mit 5 Lr. für jeden Grad Alkoholerhoben. Eine Besteuerung des Branntweins,durch welche derselbe so sehr verthenert würde,daß sein Preis für die ärmeren Bolksklassen un-erschwinglich wäre, scheint durch den bestehendenMißbrauch moralisch geboten zu sein, und dieseAnschauung wird zur Verlheidigung der bestehen-den hohen B. auch vielfach gebraucht. Allein thal-sächlich läßt sich trotz der hohen n. steigenden Be-steuerung nirgends eine Abnahme des Brännt-weingcnnsses, wegen der gleichzeitigen Preisstei-gerung auch aller anderen Arten geistiger Ge-tränke, wahrnchmcn. Eine derart hoheB., welchedieAbnahme der Brennereien zur Folge hätte, wäreaber auch volkSwirthschaftlich nicht zu rechtfertigen.Vgl. Engel, Die B., Drcsd. 1853: Saloiati, ZurFabrikstencrfrage in Betreff der Spiritus- n.-benznckerfabrikation, Berl. 1860; Jankc, Die directeBesteuerung des Spiritus, Berl. 1864.

Bramrtweinwagc, so v. w. Alkoholometer;s. u. Alkoholomelric.

Bvant(Brandt), S eb astian,dentschcrGelchrtcru. Dichter, geb. 1458 in Straßbnrg, Solm armerEltern; bezog 1475 die Universität Basel, stndirte

hier scholastische Philosophie, wurde 1477 Bacca-laureus, ging dann zur juristischen Facnltät über,wurde 1484 Licentiat des Kanonischen Rechtes,womit die Befugniß zu lehren u. zu advocirenverbunden war, promovirte 1489 als Doctorbeider Rechte u. zog 1500 nach Straßburg. SeinWirken in diesen beiden Städten fiel in die Blüthe-zeit des deutschen Humanismus, dessen hervor-ragendste Koryphäen, wie Agricola, Wimpheling,Tritheim, Reuchliu, Wessel u. A., zugleich mit B.in Basel waren. Der Kampf zwischen den beidenscholastischen Parteien der Nominalisten n. Reali-sten sah den übrigens ganz orthodox u. päpstlichgesinnten B. ans der letzteren Seite. Im Streitezwischen Nenchlin u. den Kölner Obskuranten(1513 ff.) vermieden B. n. die Seinigen jedeÄußerung. Bei dem Auftreten Luthers gegen dierömische Hierarchie blieben sie neutral. Aber ausdem Bascl-Straßburgcr Kreise ging ein Geschlechthervor, das für den neuen Geist der Geschichteeintrat. B-s Andenken knüpft sich heute fast nurnoch an sein Narrenschiff; er war aber fruchtbaran lateinischen wie an deutschen Gedichten u.suchte durch sie für Religiosität u. praktische Le-bensweisheit, auch für die Verbreitung seiner po-litischen Ideen zu wirken; er that es auf illn-strirten fliegenden Blättern. In vielen von die-sen Gedichten brückte er sein Verlangen nachWiederherstellung der christlichen Weltherrschaftunter Kaiser u. Reich durch den römischen Königu. nachherigen Kaiser Maximilian I. aus; ergeißelte die inneren Schäden des Reiches, dieZwietracht unter den Ständen, ihren Ungehorsamgegen das Reichsobcrhanpt, die dadurch hcrbei-gcfnhrte Bloßstellung gegen die Türken, die Bünd-nisse mit dem Auslände. Die Kraft dieser Ge-dichte erlahmte aber an der kirchlich-politischenKurzsichtigkeit B-s u. seiner Freunde. NachdemB. sich durch Verdeutschung lateinischer Dichtun-gen für die nationale Dichtersprache geschult hatte,begann er die Ausarbeitung seines Narrenschisses.Die erste, höchst elegante, mit Holzschnitten ver-sehene Ausgabe, von der sich ein trefflich erhalte-nes Exemplar in der Königlichen Bibliothek zuBerlin befindet, veranstaltete B-s Freund JohannBergmann von Olpe in Basel 1494. Das Buchwurde mit stürmischem Beifall ausgenommen u.verbreitete sich mit wunderbarer Schnelligkeit inDeutschland u. anderwärts. Tritheim nannte eseine göttliche Satire; Wimpheling wollte es inden Schulen einführen; Locher u. seine Freundeerklärten es für den Anfang der deutschen Poesien. stellten seinen Verfasser mit Dante zusammen;Hutten unheiltc ähnlich. B. schildert hier in eineroberflächlichen symbolischen Einkleidung die plan-lose Fahrt der Menschen n. ihren ewigen Unter-gang. Mit der dem Geschmacke des Zeitaltersentsprechenden Auffassung der menschlichen Fehlerals Narrheiten vereinigt er den sittlichen, biszur Askese gesteigerten Ingrimm über diese ge-meine Verkehrung des menschlichen Wesens. Seinchristlicher Standpunkt hindert ihn nicht, in zahl-reichen Beispielen ans die sittliche Weisheit derGriechen hiuzndenten. Der Kern seiner Lehrezielt ans Selbsterkenntuiß, den Mittelpunkt derallen Ethik. (Vgl. Gervinus, Geschichte der deut-