Druckschrift 
Bd. 3 (1876) Baumpfähle - Brasilien
Entstehung
Seite
780
Einzelbild herunterladen
 

>1

780 Brandenburg

25,822 Ew. Im NW. ein Sandberg, in denältesten Zeiten der Harlunger--Berg benannt,einst der Sitz des Triglaffsdienstes, n. dann miteiner im byzantinischen Stil 113642 von demletzten Wcndenkönig Pribislav (Heinrich) gebautenKirche oder Kapelle besetzt, welche der JnngfranMaria geheiligt war n. dem Berge den noch heutegewöhnlichen Namen Marienberg gegeben hat,aber 1722 abgerissen worden ist. Auf demselbenbetreibt inan Weinbau, u. wird ein großartigesKriegerdenkmal von Stics, 30 in hoch, in Formeines Thnrmes, mit histor. Reliefs ans der Ge-schichte der Mark B., errichtet. B. soll nach Eini-gen von den angeblich ehemals hier hausenden Kel-ten an der Havel gegründet worden u. von brains(Fürst, Herr) u. brvr, invrA (festes Haus, Burg),also Fürstenbnrg, benannt worden sein; nach dergeschichtlichen Angabe wurde die Burg von denMilzen unter dem Namen Branibor (Brcnnabor)gegründet n. war bis zum Jahre 928 in denHänden der Slaven, worauf sie vom Kaiser Hein-rich I. erobert wurde. Vom 10.12. Jahrh.wurde sic öfter von den Slaven wicdcrerobert(s. Brandenburg, Gesch.). Albrecht der Bär stelltedas schon 948 von Kaiser Otto d. Gr. gegründeteBisthnm wieder her u. gründete 1161 das Dom-capitcl. Ans dem Dorse Parduin erwuchs nundie nachmalige Altstadt, ans dem (von Deutschenangelegten) deutschen Dorfe die Neustadt, n. beideStädte erhielten von der Burg den Namen B.,bestanden aber bis 1715 getrennt von einander.1412 hielt Friedrich von Hohcnzollern in Ncu-stadt-B. einen Landtag, um sich huldigen zu lassen.1563 wurde das Bisthum, nachdem der BischofMatthias v. Jagow schon 1539 lutherisch gewordenwar, aufgehoben, nur das Domcapitel blieb be-stehen, u. die Domherrenstellen wurden als Sinecnrenan den Landadel, Staatsbeamte n. hohe Militärsvergeben. Im Dreißigjährigen Kriege wurde B.1626 von den Dänen, 1627 von den Kaiserlichen,1631 von den Schweden, 1636 von den Sachsenn. 1639 u. 1641 wieder von den Schweden ein-genommen; erst infolge des Friedensschlusses durchKurfürst Friedrich Wilhelm wurde es befreit. ImNov. 1849 wurde der Sitz der Nationalversamm-lung von Berlin hierher verlegt (s. Preußen,Gesch.). Vgl. M. W. Hefster, Geschichte der Kur-

u. Hauptstadt B. rc., Potsdam 1839; Ders., Weg-weiser durch B., Brandcnb. 1850, Schillmann,Geschichte der Kur- n. Hauptstadt B-, ebd. 1874.

Brandenburg, Friedrich Wilhelm, Graf

v. B., prcnß. General u. Staatsmann, Sohndes Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußenund der ihm morganatisch angetranten GräfinSophie Juliane Friederike von Dönhoff, geb.24. Jan. 1792; wurde am 28. April 1794 inden Grafenstand erhoben, trat im Nov. 1807 inDienste beim ersten Garderegiment, wurde 1808Sccondelientcnant, 1809 Prcmierlicntenant und1811 Rittmeister bei der Garde du Corps undmachte 1812 in Jorks Gcneralstab den RussischenFeldzug mit, avancirte 1813 zum Major n. nahmin dem nun folgenden Feldzuge als Jorks Adjutantan den Hauptgcfechtcn Anthcil. 1814 wurde erOberstlientcnant, u. nachdem er als solcher eineZeit lang dem König attachirt gewesen war, 1815

Brandes.

Oberst u. 1816 Commandeur der Garde de Corps,1819 Commandeur der ersten Gardecavalerie-brigade, 1823 Generalmajor, 1837 Generallim-tenant n. Divisionär. Seit 1839 wurde er com-mandirender General u. führte als solcher das6. (schlesische) Armeecorps; am 6. Novbr. 1848ward er General der Cavalerie. Die Ereignissedes Jahres 1848 führten ihn auch auf den po-litischen Schauplatz; nach der Entlassung desMinisteriums v. Pfnel wurde er Präsident desMinisteriums vom 8. Nov.; über seine Verwalt-ung s. Preußen (Gesch.). Er ging Mitte Oct. 1850znm Congrcß nach Warschau, wo die Differenzenzwischen Preußen u. Österreich durch russische Ver-mittelung beigelcgt werden sollten, n. starb kurznach seiner Rückkehr 6. Nov. 1850 in Berlin.Er war vermählt seit 1818 mit Mathilde vonMassenbach (st. 1855). Sein älterer Sohn, GrafFriedrich, geb. 30. März 1819, ist königl. prcnß.Generallicntenant u. Conimandenr der Garde-Ca-valerie-Division; dessen Bruder, Alexander Fer-dinand Wilhelm, geb. 31. März 1819, gleichfallsGcnerallientenant n. Conimandenr der 11. Divi-sion, n. Friedrich Wilhelm Gustav, geb. 1820,deutscher Gesandter in Lissabon, sämmtlich nnver-mählt. Bauer.'

Brandenvurgisches Sceptcr, kleines Stern-bild am südlichen Himmel, ungefähr 65" iLIk. u.15° südlicher Abweichung, westlich vom Orion,zwischen der Krümmung des Eridanus. Es ent-hält nur Sterne 4. Größe n. wurde von G. Kirch,als erstem Berliner Astronomen, 1688 eingeführtu. nach Bode B. S. genannt.

Brandente (Brandcnten), s. Ente.

Brander, 1) ehemals kleinere, mit leicht ent-zündbaren Brennstoffen angefüllte Fahrzeuge, welchein früheren Seeschlachten mitunter verwendet wur-den, um die verankerten feindlichen Schiffe inBrand zu stecken. Die B. sind infolge der jetzigenvorzugsweisen Verwendung von Eisen znm Bauoder zur Panzerung von Kriegsschiffen n. der vor-handenen anderweitigen verbesserten maritimenAngriffs- n. Vertheidignngswaffen in den heutigenKriegsflotten verschwunden; wichtig waren sie na-mentlich im Befreiungskriege der Holländer u. zu-letzt in dem der Griechen. 2) Kleine Hülsen vonKupferblech, die mit Brandsatz gefüllt sind; kom-men bei den Brandgranaten der gezogenen Ge-schütze zur Verwendung.

Brandes, 1) Johann Christoph, drama-tischer Schriftsteller, geb. 15. Nov. 1735 in Stet-tin; widmete sich nach einer traurigen Jugendder Handlung, mußte wegen einer Veruntreu-ung fliehen und debütirtc, nachdem er in Polendie verschiedensten Geschäfte betrieben hatte, 1757ohne Beifall bei der Schöncmannschcn Gesell-schaft. Nach Auflösung der letzteren erst Schreiber,dann Bedienter, nahm ihn später eine wanderndeSchauspielcrgesellschaft auf, als deren Mitglied erden Roman: Folgen der Großmnth u. Redlichkeitverfaßte. 1760 endlich in Stettin der SchuchschenGesellschaft beigetretcn, kam er mit dieser nachBerlin, Breslau, Königsberg, Leipzig, Hamburg rc.,wurde sodann Director des Dresdener, hieraufMitglied des Mannheimer u. endlich Mitdirectordes Hamburger Theaters, bei dem er noch unter

1

4

1

*