754
Boyle.
auf Hayti; war schon vor dem RevolutionskriegeBataillonschef u. nahm unter Beauvau u. Rigaudthätigen Antheil au dem Colonialkriege gegen dieEngländer. Als Haupt der Mulatten kämpfte ergegen Toussaint, jedoch ohne Erfolg, mußte des-halb die Insel verlassen n. ging nach Frankreich.Mil Leclerc kehrte er 1802 zurück, trennte sichvon diesem, zog in den südlichen Theil der Inselzu Pethion, mährend Christoph (s. Hayti) dennördlichen beherrschte, u. behauptete sich in dem-selben mit Pethion glücklich gegen Christoph.Unter Pethions Präsidentschaft wurde er Com-mandant von Port-au-Prince und machte sich umdie Organisation der Truppen nach europäischerArt verdient. Nach Pethions Tode (1818) wurdeB. Präsident der Republik u. verband, nachdemChristoph 1820 umgckommen war und er auchden spanischen Theil der Insel erobert hatte, ganzHayti zu einer Republik, welche er in Friedenregierte. Infolge des Aufstandes vom 17. Jan.1843 wurde er abgesetzt, verließ nach seiner Nieder-lage durch Rivicre das Land und ging überJralien nach Paris, wo er 9. Juli 1850 starb.3) Louis, franz. Vaudevilledichter, geb. 1810 inParis; widmete sich besonders der dramatischenu. dramaturgischen Literatur u. war 1851—54im Staatsministerium als Inspektor u. als Cen-sor der Theater angestellt; darauf war er bis1850 Direktor des Vandevilletheaters; st. 22.April1800. B. schrieb mehrere Vaudevilles, besondersmit Anderen, unter dem Gesammtnamen I>aLogns, war auch 1848 Mitbegründer des JournalsI,o Immpioir ou Lolarrsur politügns. t> Thamhayn,
Boyle, 1) Stadt in der irischen GrafschaftRoscommon (Provinz Connaught), an der Münd-ung des gleichnamigen Flusses in den Key-See,Station der Eisenbahn von Sligo nach Dublin;Cavalcriekaserne; Leiuenweberei; Handel mit Ge-treide, Butter u. Flachs; 3000 Ew. 2) Countyim nordamerik. Unionsstaate Kentucky, u. 37" n. Br.u. 85° w. L.; 0515 Ew.; Countysitz: Danville.
Boyle, 1) Richard, der große Gras vonCork, geb. 1566 in Canterbury; studirte dieRechte, ging nach London u. von da nach Irland,wo er sich mit Johanne Aspley v. Limerik vermählte.Nach deren Tode fiel ihm ein großes Vermögenzu; er wurde Sekretär des Gouvernements derGrafschaft Munster, unter Jakob I. Geheimrathu. 1616 Peer des Reiches u. erhielt den TitelLord B.; Karl I. ernannte ihn zum Lord-Richtern. 1631 zum Schatzmeister von Irland. In derRevolution zeigte er sich als Royalist und hieltseine Provinz am längsten im Zaume. Er starb1643. 2) Roger B., Graf von Orrery undBaron v. Broghill, 5. Sohn des Vorigen, geb.26. April 1621 in Lismore; war AnhängerKarls i. und verthcidigte Irland bis zu dessenTode. Beim Sturze desselben ging er nach Eng-land u. war im Begriffe, Irland von Neuem fürKarl II. zu insurgiren, als. ihn Cromwell, derseine Briefe aufgefangen hatte, überraschte undihm die Wahl stellte, angeklagt zu werden, oderzur republikanischen Partei überzutreten. Er thatdas letztere, kam in großes Ansehen bei Cromwellu. trug viel dazu bei, Irland dem Protektor zugewinnen. Als Karl II., dem er sich nach Crom-
wells Tode wieder zuwandte, den Thron bestiegenhatte, wurde er Lord-Richter in Irland, legte aberwegen Streitigkeiten »fit dem Herzog von Ormondseinen Posten nieder. Er starb 16. Octbr. 1679.B. schrieb: knrtlrsmssn (Roman), Loud. 1665,3 Bde.; Geschichte Heinrichs V. u. VI.; Schau-spiele (Der schwarze Prinz, Mustapha, Altemira,Heinrich V., Guzman n. Herodes d. Gr.). 3 ) Ro-bert, Bruder des Vor., siebenter Sohn von B. 1,berühmter Naturforscher, geb. 25. Febr. 1627 zuLismore in Irland; wurde zuerst im Eton Collegebei Windsor, dann in Genf erzogen u. studirtebesonders Natnrwiffenschaften. Er bereiste alsJüngling Frankreich, die Schweiz u. Italien u.ging nach dem Tode seines Vaters 1643 nachseinem Vaterlande zurück, wo er als unabhängigerreicher Privatmann zuerst auf seinem ErbgutcStallbridge in Irland, dann in Oxford n. Cam-bridge n. zuletzt als Präsident der KöniglichenGesellschaft in London lebte. Er machte zuerstauf die Elasticität der Luft aufmerksam u. unter-suchte, gleichzeitig mit dem Franzosen Mariotte,deren Abhängigkeit vom Druck, ist also mit Letzte-rem Entdecker des nach diesem benannten a'ero-statischen Gesetzes (blerv experimonbs pbpsioo-ineolmnionl. tvuelrrnp; tbe spring ob dir« uir auärts ettsebs, Oxf. 1660, 2. Aufl., Lond. 1662,3. Ausl., 1682); untersuchte die Veränderung derLuft bcim Athmen, überhaupt beim Übergange inorganische Körper, n. entdeckte die Farben dünnerBlättchen (Ilxperlnisiits unä oonsicksrationz uponeolours, 1663). Mit Bacon von Verulam, dessenPrincipien er huldigte, erklärte er die Wärmedurch Schwingungen der Atome. In seinen zahl-reichen anderen naturwissenschaftlichen u. natur-philosophischen Schriften (z. B. Leextionl ebpmist,1662,2.Aufl,, 1679; Oonsicksrnbioirs torrobinA tlrsusskulnoss ok experimental natural xbilooopbz',1663; Dracts about tbs eo8mioal gualitieo sto.,1670 u. a.) ist er bestrebt, im Sinne Bacons dieNaturwissenschaft von spekulativen Elementen zureinigen. Er ist namentlich der Erste, der den altenAristotelischen 4 Elementen ebenso entgegentritt, wieden 3 der Alchemisten, n. erwartet, daß eine Zeitkomme, wo eine große Menge von Elementenbekannt sein würden. Er unterscheidet scharfMischung n. chemische Verbindung. Er hatte mitdem Elbinger Samuel Hartlieb theil an derGründung der unsichtbaren Gesellschaft, derenZweck war, im gemüthlichen Zusammenleben ohnealles Ansehen des Standes wissenschaftlich zuarbeiten, n. aus der nach der ThronbesteigungKarls II. die Hozal Loeieiz' hervorging, u. warein eifriger Beförderer des Christenthnms, wes-halb er sogar in das Direktorium der OstindischenCompagnie trat u. auf seine Kosten eine malaii-sche Übersetzung der Evangelien n. der Apostel-geschichte drucken ließ. B. war ein außerordentlichfruchtbarer Schriftsteller, dessen Themata zuweilenboshafte Nachahmungen hervorriefen. Er starb30. Decbr. 1691 in London und wurde in derWestminsterabtei begraben. 4) Charles, Enkelvon Roger B., geb. 1676 zu Chelsea; studirtein Oxford, machte den Spanischen Erbfolgekriegunter Marlborough mit, wurde Geheimrath, Ge-sandter in Brüssel u. Peer; er st. 28. Aug. 1731.