70
Bcchtcltcig — Bcck.
vielseitigen literarischen Thätigkeit ist die verdienst-lichste die auf die Sammlung des Sagenschatzesu. die Geschichte seiner Hcimath gerichtete (Thü-ringisches Sagenbuch, Wien 1858; DeutschesSagenbuch, Lpz. 1853; Deutsches Märchenbuch,Lpz. 1860; Fränkische Sagen, Wiirzb. 1842).Seine novellistischen Erzeugnisse zeichnet eine reineEmpfindung n. warme Sprache aus: Der Dunkel-graf, Franks. 1855; Das tolle Jahr, 1832; DerFürstentag, 1834; Grnmbach, 1889 ; Fahrteneines Musikanten, 1836. Auch poetisch war erthätig, wenn auch mit geringerem Erfolge. Ge-dichte, Franks. 1836; Luther, 1834; Sonetten-kränzc, Amsterd. 1828; Der Todtentanz, 1831.3) Reinhold, Germanist, Sohn des Vorig.,geb. 12. Oct. 1833 in Meiningen; stndirte inLeipzig, München, Jena und Berlin deutschePhilologie, fand 1858—59 Beschäftigung amArchiv des Germanischen Museums in Nürnberg,ging zur Unterstützung seines Vaters nach Mei-ningen zurück, war daselbst nach dessen Tode(1860) ein Jahr lang interimistischer Bibliothekarder Herzog!, öffentlichen Bibliothek u. widmete sichdann der akademischen Laufbahn, wobei er sichwie einst sein Vater der Förderung des HerzogsBernhard von Sachsen-Meiningen erfreute. Nacheinem mehrjährigen Aufenthalte in Leipzig siedelteer 1864 nach Jena über, wurde 1866 Privat-docent, 1869 Extraordinarius, u. 1871 ging erals Ordinarius für die deutsche u. »euere Literaturan die Universität Rostock. Außer zahlreichen Bei-trägen in Pfeiffers Germania, Blätter für liter.Unterhaltung, Wissenschaften im 19. Jahrh. u. a.m. gab er verschiedenealtdcutscheSchristwerkeheraus(Heinrich n. Kunigunde von Ebernand von Erfurt,Quedlinburg 1860; Des Matthias von BehcimEvaugelienbuch, Lpz. 1867; Gottfrieds von Straß-burg Tristan, Lpz. 1869, 2. Aust. 1873), setztedas Deutsche Museum seines Vaters fort (neueFolge, 1. Bd., Lpz. 1862), sammelte: AltdeutscheMärchen, Sagen u. Legenden, Lpz. 1863, undschrieb über die Anssprache des Mittelhochdeutschen,Halle 1858, n. Das Spiel von den zehn Jnng-sranen, Habilitationsschrift, Jena 1866, u. Vor-trag, Rostock 1872.
Bcchtcltag (Bachtelis- oder Berchtoldstag), inder Schweiz der Tag nach Neujahr, durch Be-schenken der Kinder gefeiert, aber auch von Er-wachsenen; ein offenbar aus der vorchristlichenZeit stammendes Fest; s. Berchta.
Bcck, 1) Christ. Dan., berühmterGelehrter, geb.22. Jan. 1757 zu Leipzig; stndirte daselbst u. wurde1782 Professor der Philosophie, 1785 der griech.u. latein. Literatur, 1790 zugleich Universitätsbiblio-thekar, 1819 der Geschichte, 1825 aber wieder deralten Literatur; st. 10. Dec. 1832. Er schr. u. a.:Anleitung zur Kenntniß der allgemeinen Welt- u.Völkergeschichte, Lpz. 1787—1807, 4 Thle., 2. A.des 1. Thls., 1814; ^.rtis latins veridsnäi prrre-Lvpts.. ebd. 1801; Über die Würdigung desMittelalters u. seiner allgemeinen Geschichte, 1812;Grundriß der Archäologie, ebd. 1816; übersetzteauch Fergusons Geschichte der Römischen Republik,ebd. 1784—87, 3 Bde.; Muradgea d'Ohsson,Schilderung des Ottoman. Reiches, ebd. 1788 bis1793, 2 Bde.; Goldsmiths Geschichte der Griechen,
ebd. 1792,2 Bde.; gab heraus: (jorurusnturrii llisto-riei cisorstorum rsIiAiorns okristi. st tormulas I-u-tiwrunas, ebd. 1801; 6ommentationes sooistrrtispIiiioloAieas, ebd. 1801—1805, 4 Bde.; ^ots,somiiiarii lüpsisnin, ebd. 1811—13, 2 Bde.;von Classikern: den Euripides, Pindaros, Apollo-nios Rhod., Aristophanes, Platon, Cicero, Calpur-nins n. erwarb sich Verdienste um wissenschaft-liche Kritik u. Bibliographie, besonders durch dieLiterarischen Denkwürdigkeiten, 1792—97, eineFortsetzung der Neuen Leipziger Zeitung von ge-lehrten Sachen, u. durch das Allgemeine Reper-torium der neuesten in- n. ausländischen Literatur,1819—33; letzteres wurde von Pölitz n. Gers-dorf fortgesetzt. B. wirkte als Lehrer nicht nur inseinen Vorlesungen philosophischen, historischen,theologischen Inhaltes, sondern auch in den Dis»pntationen der Philologischen Gesellschaft; außer-dem nahm er regen Antheil an der Universitäts-verwaltung. Vgl. Robbe, Vita Lseoii, Lpz. 1837.
2) Heinrich, Schauspieler, geb. 1760 zu Gotha;debutirte daselbst und wirkte neben Beil undJffland unter Eckhofs Direktion, von 1779 bis1800 in Mannheim, von wo er als Regisseurnach München berufen wurde; st. in letzterer Stadt6. Ang. 1803. Seine schauspielerischen Leistungensind, wenn auch gediegen, doch nicht hervorragendzu nennen. Dagegen machten seine dramatischenProdukte ziemliches Aufsehen, vor allen das Cha-mäleon, in welchem Lustspiel sich Tieck persiflirtglaubte. Vielen Beifall fand auch: Die Schach-maschine u.: Die Quälgeister. Unter dem Titel:Theater sind seine Werke 1803 in 2 Bdn. ge-sammelt erschienen. Von ungleich höherer schau-spielerischer Begabung als B. war dessen Gattin
3) Caroline, geb. Ziegler, geb. 3. Jan. 1766zu Mannheim; betrat schon 1781 das dortigeNationaltheater mit dem entschiedensten Erfolge.Natürlichkeit, Wärme, volles Versenken in denDichter zeichnete die Künstlerin, edle Gesinnungu. alle weiblichen Tugenden die Frau aus, sürdie ein Schiller zu schwärmen nicht unwürdig ge-funden hat u. für die er seine Luise Miller schrieb.„In Rollen sanfter, leidender Tugend war ihrSpiel weiblich wahr, fein und schön." NachOmonatlichcr Ehe mit dem Vor. starb sie inFolge eines unglücklichen Sturzes. Über Lebens-verhältnisse u. Spiel vgl. Reichard, Goth. Theater-Kal. 1785, S. 53—58; Deutsches Museum 1785S. 172—176. 4) Jakob Siegmnnd, deutscherPhilosoph, geb. 1761 in Nissan bei Danzig; warSchüler Kants in Königsberg, 1791—99 Privat-docent in Halle, dann Professor der Philosophiein Rostock; scharfsinniger Ausleger des KantschenKriticismus; st. daselbst 1842. Hauptschriften:Erläuternder Auszug aus den kritischen Schriftendes Prof. Kant, Riga 1793 ff., 3 Bde.; auchmit dem besonderen Titel: Einzig möglicher Stand-punkt, ans welchem die kritische Philosophie be-urtheilt werden muß, Riga 1796. Grundriß derkritischen Philosophie, Halle 1796; Commentarüber Kants Metaphysik der Sitten, Halle 1798;Darstellung seiner Standpunktslehre in KunoFischers Geschichte der neueren Philosophie, V.1. S. 105. ff. S. auch d. Art. Kant. 5) Joh.Ludw. Wilh., Sohn von B. 2), geb. 21. Oct.
r
i
/