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Bayern (Gcsch. von 1866 ).
schloß ihrer bisherigen Führer unter Annahmeeines bestimmten Programms als Centrumspartei,der andere Theil als Rechte, während die Fort-schrittspartei n. die Pfälzer sich als BereinigteLinke constitnirten, innerhalb welcher die Frage derdeutschen Centralgewalt als eine offene, ohnehinmir durch die Macht geschichtlicher Thatsachcn zulösende anerkannt wurde. Die Regierungsvorlagebetr. Einführung der 2jährigen Finanzperiodewurde von beiden Kammern nahezu einstimmigangenommen. Ein auf Antrag des Ausschussesder 2. Kammer vom Justizminister vorgclcgterAmnestiegcsetzcntwurf verkündete Generalpardonfür alle Militärs wegen Betheiligung an den Er-eignissen von 1849, beschränkte sich aber bezüglichder übrigen Personen nur auf bayerische Unter-thanen, wurde jedoch auf Wunsch des Ausschussesauf die Angehörigen der Deutschen Bundesstaatenausgedehnt n. in dieser Fassung angenommen. Ei»Antrag auf Erweiterung der Ersten Kammer, rcsp.Umgestaltung derselben wurde von der Regierungbekämpft n. von der 1. Kammer einstimmig ab-gelehnt. Am 25. April wurden die neuen Zoll-vereinsverträge von der 2. Kammer angenommenu. dabei der Wunsch ausgesprochen, daß auch mitItalien, der Schweiz, Belgien, England n. Ruß-land Handelsverträge abgeschlossen werden, welchletzterem die 1. Kammer jedoch nicht bcitrat. DemVerlangen der 2. Kammer nach Aburthcilnng dervon Militärpcrsoncn verübten nicht militärischenVerbrechen n. Vergehen durch die bürgerlichenGerichte trat die 1. Kammer nicht bei. Den ver-langten Militärcredit genehmigte die 2. Kammermit unbedeutendem Abstrich, sprach aber dabei dieBitte auf Verminderung desAufwandes fürHeeres-einrichtungen aus. In der Schleswig-HolsteinischenFrage documentirte der Landtag seine volle Über-einstimmung mit der Politik der Regierung, ja,drängte sie, noch weiter zu gehen, indem er denAusschußantrag annahm, die Regierung möchtedahin wirken, daß Schleswig-Holstein als eindurchaus selbständiger Staat unter seinem recht-mäßigen Fürsten sich constituire, die Ständever-sammlnng einberufen werde, u. jeder Entscheidungüber die Zukunft der Herzogthümer, welche ohneZustimmung der Landesvertretnng oder in Wider-spruch mit den Grnndgesätze» des Bundes erfolge,die Anerkennung des Bundes versagt werde. Am11. Juli wurde der Landtag geschlossen, u. wenigeTage danach solgte der Minister von der Pfordteneiner Einladung des preuß. Premier nach Salz-burg, erwiderte aber dessen Mahnung, die Süd-staaten möchten in dem nahe bevorstehenden Kriegezwischen Österreich u. Preußen strenge Neutralitätwahren, wofür B. dann der Erbe der StellungÖsterreichs in Süddcutschland sei, amtlich wieals Privatmann ablehnend. Am 27. Juli stellteB. im Sinne der ständischen Aufforderung mitSachsen und „Hessen-Darmstadt am Bunde den'Antrag, bei Österreich n. Preußen auzufragen,was sie bezüglich Schleswig-Holsteins zu thnngesonnen seien, u. als derselbe umgangen wurde,4. Nov. den weiteren, die Vertreter von Holsteineinzubcrnfcn n. Schleswig in den Bund aufzu-nchmen. Da der Bundestag jedoch zu keinenBeschlüssen gegen die beiden wichtigsten Staaten
des Bundes gelangte, so erklärte B. mit seinenbeiden Verbündeten, daß sie nunmehr ihre Auf-gabe n. Thatigkeit in dieser Sache innerhalb desBundes für abgeschlossen betrachten n. sich aufeine laute n. entschiedene Verwahrung gegen jedenicht auf der Grundlage des Bundcsrechtes be-ruhende Abmachung beschränken würden, — eineErklärung, die vollständig mit der auf vcrschie-deuenVolksversammlungen znm Ansdrucke gekom-menen Stimmung des Landes nbcreinstimmte.Jndeß begab sich in der nächsten Umgebung desKönigs eine erwünschte Wendung. Der jungeKönig hatte in Begeisterung für die Zukunfts-Musik den Componisten Richard Wagner nachMünchen berufen, dieser bald jedoch über Ludwig II.einen Einfluß gewonnen, der im Lande mehr u.mehr Mißstimmung gegen Wagner hervorrief.Gleichwol überraschte am 6. Dec. die Nachricht,der König habe Wagner die Weisung ertheilt,auf einige Monate München zu verlassen, u. zwarwurde die Weisung mit den Worten motivirt, derKönig wolle seinem thcnren Volke zeigen, daß seinVertrauen u. seine Liebe ihm über Alles gehe.Dagegen ließ die Fortschrittspartei dem König er-klären, daß nicht die Entlassung Wagners, son-dern die v. d. Pfordtcns verlangt werde. DerKönig nahm indcß die betreffende Deputationnicht an. In diese Zeit fällt auch die Anerkenn-ung des Königreichs Italien von Seiten B-su. der darauf erfolgte Abschluß des Handelsver-trages zwischen dem Zollverein u. Italien. Am8. März 1866 sprach sich die bayer. Regierung in einerDepesche dahin ans, wenn Österreich n. Preußenihren Zwist mit Umgehung des Bundes ansfech-tcn wollten, so sei für die übrigen BundesglicderNeutralität das Rathsamste, ausgenommen, wenneine der beiden Mächte den Bund aurufen würde,vorausgesetzt, daß dieselbe dann in der schleswig-holsteinischen Sache zum Nechtsstandpnnkte zurück-kehre. Österreich ergriff sofort diese Aussicht aufBnndesgenossenschaft B-s u. der übrigen Mittel-staaten u. forderte 16. März in vertraulicher De-pesche die Mittelstaateu zu sofortiger Kricgsrüstnngans. Eine preußische Depesche vom 24. März, welchesich nach der Gesinnung der Mittelstaaten erkundigte,wurde von B. durch Verweisung an den Bund be-antwortet, dem dann Preuße» 9. April u. 14. JunicinReformproject vorlegte. Es war aber schon zuspät, als von der Pfordten die beiden Großmächte31. März vom Kriege abmahnte u. sie aufforderte,in Verhandlungen vehnss Umgestaltung des Bun-des einzntretcn. B. rüstete gleichzeitig im Sinneder österreichischen Aufforderung, machte 10. Maisein Heer mobil u. ernannte 23. Mai den greisenPrinzen Karl, Bruder König Ludwigs I., zumÖberbefehlshaber. Von der Pfordten spielte mitBenst die Hauptrolle auf den die Wahrung dergemeinsamen Interessen bezweckenden Conferenzender Mittelstaaten in Augsburg u. Bamberg imApril u. Mai. Als dann Österreich in der höch-sten Noth sich dem Bundesrechte fügte u. dieEntscheidung über Schleswig-Holstein dem Bundsüberließ, wies B. alle Anträge Preußens zurück,ja sogar das noch im Juni gestellte Anerbietender Hegemonie in Süddcutschland für den Fallder Neutralität u. des Oberbefehls über die Süd-