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Bd. 3 (1876) Baumpfähle - Brasilien
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Bayern (Gcsch. von 1849).

endlich die ersten Reichsgesetzc amtlich verkündigt,wenn auch immer noch in einer ihre Giltigkeitfür B. zweifelhaft lassenden Form. Die ans den15. Jan. 1849 einbcrusene Ständeversammlungwurde am 22. von dem König eröffnet. DicAnnahmeder äußerst freisinnigen Adresse mit Stimmen-mehrheit am 7. Febr. veranlaßte den Rücktrittdes Ministeriums, n. der König lehnte die Adresseab. Obwol die Zweite Kammer mit der Regier-ung in der Deutschen Frage übereinstimmend zuÖsterreich hinneigte, zeigte sich doch eine Spann-ung, die zu wiederholten heftigen Scenen führteund bei Gelegenheit eines Antrages von Kolb,betr. die griechische Anleihe (deren Rückersatz ansdem Privatvcrmögen des Königs gefordert wurde),die Vertagung der Kammern bis zum 10. Aprilveranlaßte. Bereits früher hatte die Negierungin Übereinstimmung mit Württemberg in Frank-furt die Erklärung abgegeben, daßsie nur einesolche Verfassung wünsche, die auch Österreich ein-schlicße; B. seinerseits fügte dein noch hinzu, daßes nur eine mit den Regierungen vereinbarteVerfassung anerkennen werde. Mitte März kamein neues Ministerium zu Stande: v. KleinschrodJustiz, Aschenbrenner Finanzen, v. Förster In-neres, v. Ningelmann Cnltns (seit 16. März wie-der von dem Innern abgetrennt); das Äußere rc.übernahm 18. April der frühere königl. sächsischeMinister v. d. Pfordten, Am 23. April erließdie Regierung ein Rundschreiben an die Neichs-gewalt n. die deutschen Negierungen, worin siedie von der Nationalversammlung einseitig festge-stclltc Reichsverfassnng entschieden ablehntc, gegendie Kaiscrwahl protestirte, ans ihre früheren Vor-schläge hinsichtlich eines Direktoriums mit wech-selnder Präsidentur zurückkam, der provisorischenCcntralgcwalt jedoch für jetzt noch ihre Unter-stützung zusagte. Trotz zahlreicher n. zum Theildrohender Demonstrationen gegen diesen Erlaß,besonders aus Schwaben, Franken n. der Pfalz,verharrte die Regierung aus dem eingeschlagenenWege; doch verwahrte sich das Ministerium durchErklärungen vom 1. u. 10. Mai vor der An-schuldigung reactionärer Absichten, ermahnte zurRuhe u. wies ans die nahe bevorstehende Eröff-nung der Kammern hin, denen befriedigende Er-öfsmmgen gemacht werden sollten. Dieser Erlaßtraf die Psalz in vollem Ansstande. Diese Pro-vinz, längst schon um ihrer durchaus abweichen-ocn Zustände willen gegen Alt-B. entfremdet, botfür die demokratische Agitation den günstigstenBoden dar. Nachdem bereits in Volksversamm-lungen zu Neustadt am 28. und zu Speyer am29. April offen über die Lossagung von B. ver-handelt worden war, gab ein Congreß der pfälzi-schen Bürgerwehren zu Kaiserslautern am 1. u.2. Mai völlig den Ansschlag, indem durch den-selben ein Landesvertheidignngsausschuß niederge-setzt, sodann Steuerverweigernnb, Rückberufnngder Pfälzer Soldaten, Organisation der Volksbe-waffnung in 2 Aufgeboten, Aufforderung an dieNegierung n. die Beamten zur Anerkennung derReichsverfassung, Beschlagnahme der pfälzischenStaatskassen, Verbrüderung mit den angrenzendendeutschen Volksstämmen beschlossen wurde. DerAusschuß trat sofort in Thätigkeit. Eine durch

allgemeine Wahlen gebildete u. nach Kaiserslau-tern einbcrusene Volksvertretung vom 17. Maiwählte eine provisorische Regierung, bestehend ansden Mitgliedern Reichard, Hepp, Culmann, Schülern. Kolb, n. als Ersatzmänner für die abwesendenletzteren Drei: Greiner, Schmitt u. Fries. DasMilitär, meist geborene Pfälzer, trat in großerMehrheit über; die Festungen Landau n. Ger-mershcim verloren einen großen Theil ihrer Be-satzungen. Der am 6. Mai in Speyer angelangteRcichscommissar Eisenstuck bestätigte, seinen In-structionen zuwider die ergriffenen Maßregeln u.vermochte 3 Bataillone von Mainz gegen Landauheranrückendcr Preußen zur Umkehr, vorgeblichum unnützes Blutvergießen zu hindern. DieProvisorische Regierung (in welche jedoch Entmann,Schüler u. Kolb nicht eingetreten waren) verkün-dete danach eine neue, demokratische Gemeindeord-nnng, schrieb eine Zwaugsanleihe von 2 Mill. fl.ans, ließ das Aufgebot an die Wehrpflichtigenergehen n. ging mit dem ebenfalls in Revolutionbegriffenen Baden am 18. Mai ein militärischesBündniß ein. Die Ncvoliitionsarmee bestand EndeMai ans etwa 10,000 M. mit 14 Geschützen unterdem Oberkommando des polnischen GeneralsSznayde. Unter ihm befehligten Willich, Annccke,Bcust, Schimmelpenning, van der Oye, Ehlert;außerdem hatten Bleuler, Schlink, Zitz, Bamber-ger eigene Abtheilnngen ausgerüstet, deren Com-mando sic führten. Die bayerische Regierung,ihrer eigenen Truppen nicht ganz sicher, hatte in-zwischen, nachdem sie unterm 22. Mai eine Pro-klamation erlassen, preußische Hilfe in Anspruchgenommen, die auch in einem Corps von 25,000Mann unter General v. Hirschfeld schleunigst ge-währt wurde; 15,000 Mann Bayern wurden alsReserve in Unter-Franken ausgestellt. Bereits am12. Juni begannen die Operationen gegen dasaufständische Land, indem die Preußen in 5 Co-lonnen gegen Germersheim, Neustadt, Kaisers-lautern, Landstnhl n. Homburg verdrängen. DieProvisorische Regierung hatte schon in der Nachtvom 13. znm 14. Juni Kaiserslautern verlassen.Es kam nur zu einigen Gefechten, so bei Kirch-heimbolanden am 14. Juni, Lndwigshafcn am 15.Juni, dann im Annweiler-Thal am 17. Juni,wo Willich zum letzten Mal den Preußen Standzu halten suchte, dann sich aber auch dem Rück-züge anschließen mußte, der schon gleich nach demersten Zusammentreffen seinen Anfang genommenhatte. Am 18. Juni trat der Nest der PfälzerArmee, kaum noch 6000 Mann stark, bei Maxauans badisches Gebiet über. Nachdem die Preußenüber den Rhein nach Baden eingerückt waren,besetzte Thurn u. Taxis die eroberte Provinz mitbayerischen Truppen. Unterdessen dauerte dies- ,seit des Rheines der Streit um die Reichsverfass-ung fort. Dem am 15. Mai wieder znsammen-gctretenen Landtage eröffnete die Regierung vorAllem, daß König Ludwig den Betrag des grie-chischen Anlehens ans seinem Privatvermögen derStaatskasse ersetzt habe, ein im deutschen konsti-tutionellen Leben noch nie vorgekommeilcr Erfolg,wodurch übrigens die Opposition entwaffnet werdensollte; sodann brachte sie die von ihr beantragtenAbänderungen der Reichsverfassung ein, darunter: