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Bd. 3 (1876) Baumpfähle - Brasilien
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Baumschule -

vorgcnommcn wird u. die eigentliche FormbildnngdeS Baumes bezweckt u. in Len Sommerschniktder lvionatc Juni, Juli n. August, vorzugsweisezur Vermehrung der Fruchtbarkeit der Bäumedienend. Durch den Winterschnitt wird im All-gemeinen das Wachsthum des Baumes befördert;je stärker daun beschnitten wird, desto kräftigerwird der darauf erfolgende Trieb sein; cs werdendaher vorzugsweise diejenigen jungen Triebe ein-gekürzt, an welchen sich neue Triebe erzeugensollen, wogegen überflüssige Zweige ganz wcgge-schnitten u. solche, an welchen Früchte gewünschtwerden, entweder gar nicht, oder dicht über einemFruchtauge, oder über nicht völlig ausgebildctenHolzaugen beschnitten werden. Der Sommerschnittbefördert dagegen vorzugsweise die vollkommenereAusbildung der übrig gelassenen Pflanzenthcilc,ganz besonders der Augen, welche sich dann mehrzu Fruchtaugen anszubilden n. in den nächstenJahren Blüthc» u. Früchte zu bringen pflegen.Es werden durch ihn deshalb ebenfalls alle über-flüssigen Zweige beseitigt u. diejenigen cingetürzt,welche zur Frnchtcrzengnng dienen sollen, wogegenalle solche Zweige, die zur Vergrößerung desBaumes nöthig sind, im Sommer nicht beschnittenwerden dürfen. Der B. ist nach Art u. Zweckder Bäume sehr verschieden; am schwierigsten, aberauch am meisten ansgcbildet bei den Obstbänmcn,namentlich bei den sog. Formbänmen, zu derenregelmäßiger Erziehung tüchtig vorgcbildete Banm-züchter erforderlich sind; die französischen Gärtnerhaben in dieser Beziehung den größten Ruf. ZumBeschneiden bedient man sich dcsBanmmessersvon verschiedener Form, kräftig gearbeitet n. mitnach vorn gebogener Klinge, oder der Banm-odcr Astscheere (Lövs-tour) verschiedener Con-struction, womit sich rascher n. bequemer arbeitenläßt, welche aber selten einen so glatten Schnittals das Messer erzeugt. Mit der Baumsäge,entweder nur aus einem starken, vorn zngespitzte»Sägenblattc mit Handgriff, od. ans einem solchen,mit Bügel darüber, bestehend, werden die stärkerenÄste vorsichtig abgenommen n. die Schnittflächenmit dem Messer glatt geschnitten; die Banm-kratzc oder Scharre dient zum Abtratzen desMooses u. der abgestorbenen Rinde an den Stäm-men. 2) (Weinb.) Eine besondere Znchtmethodedes Weinstockes; s. n. Weinbau. Wolde.

Baumschule, Grundstück, auf welchem jungeBäume u. Gesträuche in größerer Menge zumspäteren Verpflanzen «»gezogen werden. Stachder Verschiedenheit der Pflänzlinge unterscheidetman Samcnschulen, Pflanzschnlen, Nebenschuten,Obstbanmschnlen, Waldbaumschnlen u. Zierbanm-schnlen. Durch richtige Behandlung in der B.werden die jungen Bäume kräftiger n. gedeihenspäter besser, als wenn sie gleich ans ihremdauernden Standorte gezogen werden; ertragennamentlich wegen besserer Ausbildung ihrer Wurzeldurch öfteres Umpflanzen später leichter das Ver-setzen. Die B. soll eine freie, aber gegen starken. rauhe Winde etwas geschützte Lage u. einen tief-gründigen, kräftigen, lockeren, jedoch nicht zu starkgedüngten Boden haben, damit sich die jungenPflanzen einestheils kräftig genug entwickelntonnen, anderseits aber auch nicht zu sehr ver-

Baumstark.

wöhnt werden, NM später unter allen nicht zu un-günstigen Verhältnissen gedeihen zu können. Wolde.

Bnnmseclcn (Pflanzenseelen). Der Glaubean unsichtbare Wese», welche Bäumen u. a.Pflanzen innewohncn, ist über die ganze Erdeverbreitet u. ohne Zweifel eine der ersten Formendes Animismus, sowie eine derjenigen, welchedas Interesse des Cnltnrforschers ganz besondersin Anspruch nimmt. Man findet diesen Glaubennicht nur bei wilden Völkerschaften, sondern auchinmitten der Mittelpunkte der Cnltnr. Wenn manhier bei Frucht- u. Gistbäumen auch gerade nichtnothwcndig an gute u. böse Wesen denkt, die indieser Weise ihre Wirksamkeit offenbaren, so wirddoch z. B. das Rauschen des Baumes als eineArt gchcimnißvoller Stimme angesehen, von dernamentlich die Dichter zu erzählen wissen: eineStimme, die je nach Umstünden von einem lieb-lichen oder einem schrecklichen Eindrücke begleitetsein kann.Der Wind im Wald, das Laub amBaum saust ihm Entsetzen zu." Es kommt daherbei allen älteren Religionen n. heute noch beiwilden Völkerschaften vor, daß Bäumen in irgendeiner Weise geopfert wird; s. Baum (heiliger).Am gewöhnlichsten findet sich das Behängen derBäume mit allerlei Gegenständen, oder dasSpenden von Speisen n. Getränken; ersteres fastallgemein, letzteres bes. im äquatorialen Afrikagebräuchlich. Wo der Glaube an die Seelcn-wandernng herrscht, sind die Bäume u. Pflanzenselbstverständlich mit in deren Kreis gezogen.Vgl. Thlor, die Anfänge der Cnltnr, Lpz. 1873.Unzweifelhaft hängt mit dem Glauben an B. auchzusammen der Glaube an die Zauberkraft, dievielen Bäumen n. Pflanzen vom Volke beigelegtwird; vgl. Zauberei. Schroot.

Bnumspccht, so v. w. Banmklette.

Bmimschcn, s. Banmsatz.

Baumstark, 1) Awton, namhafter Phi-lolog, geb. 14. April 1800 zu Sinzheim in Ba-den; stndirte Philologie, wurde 1826 Lehrer amGymnasium zu Freiburg, 1829 Professor an derUniversität, 1836 Dircctor des Philologischen Se-minars daselbst. Außer einzelnen kleineren phi-lologischen Abhandlungen gab er den JuliusCäsar mit Anmerkungen, Frcib. 1832, n. eineÜbersetzung desselben, Stnttg. 1837, heraus; erschr.: Blüthen der griechischen Dichtkunst, in deut-scher Nachbildung, Karlsr. 1840, 6 Bde.; Blüthenrömischer Dichtkunst, ebd. 1841, 4 Bde.; Com-mentar zu den Gedichten des Horatius; ebd. 1841,2 Bde.; Bilder des Alterthums zur Erläuterungder Gedichte des Horatius, ebd. 1841. UrdcntscheStaatsalterthümer, zur schützenden Erläuterungder Germania des Tacitns, Lpz. 1873, in welcherSchrift die von B. schon früher verfochtene An-sicht von dem romanhaften Charakter der Ger-mania dnrchgeführt, zugleich aber eine großeMenge erklärenden Materials u. gelehrter Erör-terungen beigebracht ist. Außer den Phil. Abhand-lungen lieferte B. pädagogische (über das badischeSchulwesen, über F. A. Wolf) u. staatswisscn-schaftlich-politische, letztere unter dem PseudonymHermann vom Busche: Die freie religiöse Auf-klärung, Darmst. 1846; Friedrich Karl Freih. v.Moser, Stnttg. 1846; Populäres Staaislexikon,