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4 (1891)
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und für unverbesserlich erklärt und dafür gehalten wird. Ihnändern, fortbilden, verbessern zu wollen, gilt dem Gläubigen fürfrevelhaft, ketzerisch, gottlos. Durch den Glauben an die Un-veränderlichkeit wird der Mensch selbst unveränderlich, er erklärtsich gegen jede Neuerung und wird stabil. Der weltliche Abso-lutismus hat darum eiue festere Stütze an einem katholischen alsan einein protestantischen Volke, d. h. ein Absolutismus an demandern.

Nicht zu leugnen ist auch der Einfluß der Politik auf dieReligion; aber er ist schwächer, er steht in untergeordneter, zweiterLinie. Die freien Verfassungen in England, Nordamerika u. s. w.habeil den Glauben unangetastet gelassen; die spanischen unditalienischen Progressisten wagen sich wohl aus politischen Gründenaii die Beschränkung des Kloster-, Mönchs- und Nonnen-Un-wesens; aber vor dem Glaubeil des Volks äußern sie Respekt,tragen ihn wenigstens zur Schau. Das Blut des heiligen Januariushat unter Viktor Emanuel nicht aufgehört zu fließen; selbst Gari-baldi und Mazzini schweigen darüber und legen dagegen keinenProtest ein. Wer religiös frei denkt, denkt gewiß auch politischfrei; aber wer politisch frei denkt, kann trotzdem voll der Neigungbesessen sein, sich in religiösen Dingen der Autorität und demWunderglauben zu unterwerfen und in betreff ihrer seine Ver-nunft gefangen zu nehmen. An geistiger Harmonie mag es dannwohl fehlen; aber die Erfahrung lehrt es an Individuen wie anganzen Nationen, daß dieser Mangel, diese Halbheit, stattsindet.

Politische Freiheit verträgt sich eher mit religiöser Unfreiheit,als religiöse Freiheit mit politischer Unfreiheit. In Ketten kannman geistig frei sein; man kann einem die Ketten abnehmen,ohne daß er dadurch geistig frei wird. Die äußere Freiheit kanngeschenkt werden, die innere nicht. Die will durch selbsteigeneAnstrengung erworben (errungen) sein. Eben darum ist religiöseKnechtschaft ein unwürdigeres (entwürdigenderes) Joch, als politischeKnechtschaft. Die erstere besteht in der Abhängigkeit von mensch-lichen Autoritäten, die zweite in der Unterthänigkeit unter ab-soluten Herrschern und privilegierten Stünden. Man vergessees nicht: die geistige Freiheit oder Befreiung ist das einzig sichereFundament jeder andern Freiheit und Befreiung. Um materieller