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den Ketzereien und Frivolitäten? Wer soll darüber entscheiden?Ich weiß es nicht, obgleich ich nicht glaube, daß die Gabe derProphetie dazu erforderlich wäre.
Zwei Mächte haben darüber die Hauptstimme: die Religionund die Politik. Welche von beiden überragt die andere an Ein-fluß und Gewalt? Eine definitive Antwort für alle Zeitenund alle Zustände wird sich darauf nicht geben lassen. Eins
aber steht fest: Die Religion übt im allgemeinen, wenn
auch nicht immer, wenn auch gerade nicht in unseren Tagen,ans das Volk einen mächtigeren Einfluß aus als die Politik.Das Beispiel Frankreichs liefert dazu den Kommentar. Diewütendsten Republikaner tasteten, nachdem die Philosophen damitvorangegangen waren, die Religion des Volks an und unter-stützten ihre Beschlüsse durch die Furcht vor der Guillotine.Was half's? Nichts, sie selbst sahen sich genötigt, um derKontrerevolution vorzubeugeu, uicht bloß von der Religion derVernunft zum Glaubeu an das Ztro-suprämo und zum Deismus,sondern zum Evangelium zurückzukehren, die Kirche wieder zuöffnen und die Priester in ihre Funktionen wieder einzusetzen.Die Rückkehr zum Katholizismus und die Erklärung desselbenals Staatsreligion wurde einer der stärksten Pfeiler zur Wieder-herstellung des Königtums, der monarchischen Regierungsform.Der Altar schützt den Thron, der Thron den Altar. Ein Thronist, wie Frankreich klärlich beweist, leichter umzustürzen als einAltar. Die Religion ist die Seele eines gläubigen Volkes.Nicht jedermann wird von der Politik berührt, wohl aber vonder die Gemüter beherrschenden Religion.
Der Einfluß der Volksreligion hat sich von jeher auf dasVolk mächtiger erwiesen als die Politik. Mit der religiösenVeränderung pflegen konsequenterweise politische Umänderungenverbunden zu sein, während das Umgekehrte nicht in demselbenGrade notwendig folgt. Darum ist das Bestrebeu der Politiker,welche das Bestehende festhalten wollen, vorzugsweise auf dieKonservierung des Volksglaubens gerichtet. Der religiöse Glaubeist das festeste Bollwerk für die Stabilität aller gesellschaftlichenZustände — der Glaube als Emanation der unveränderlichenGottheit, der, wie diese, darum für unveränderlich, für ewig.