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4 (1891)
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2l Dasselbe gilt bei ungestörter, naturgemäßer, nicht vonaußen her beeinträchtigter Entwickelung auch von der Religion.

3) Das Verständnis und die Wirkung einer von außen herauf ein Volk übertragenen Religion hängt von der Zivilisationund Kultur dieses Volkes, welche die Religion in ihm vor-

> findet, ab.

4) Ein rohes, unkultiviertes Volk trägt seinen Aberglaubeni in die ursprünglich ihm fremde, seine Kultur überragende Religion

hinein.

5) Der Inhalt einer Religion, zu der sich ein Volk bekennt,giebt daher keinen sicheren Maßstab (kein Kriterium) für denGrad seiner Zivilisation und Kultur ab.

6) Der Protestantismus bezeichnet anerkanntermaßen einenhöheren Grad der Vernünftigkeit der Zivilisation und Kulturüberhaupt, als der römische Katholizismus (Nltramontanismus).

^ 7) Trotzdem kann ein protestantisches Volk in Zivilisation

und Kultur tiefer stehen, als ein katholisches Volk. In dem! protestantischen Schweden z. B. ist die Intoleranz, dieser untrüg-liche Beweis eines Mangels an Zivilisation und Kultur, größer,als in dem katholischen Frankreich.

8) Eine geistige Religion, wie das Christentum, ist, wie dieGeschichte nachweist, in einem rohen Volke von äußerst geringemi Einfluß auf Zivilisation und Kultur. Die allgemein zivilisieren-I den Faktoren überwiegen den Einfluß der Religion. Mit der

I Gesamt-Zivilisation ändert sich mit Notwendigkeit das Verständnis

1 der Religion. Dasselbe gilt von der Fortbildung eines selbst-! bewußten Menschen. Der Glaube an die Unveränderlichkeit einer

, Religion in einem fortschreitenden Volk, sowie in einein sich fort-

entwickelnden Menschen, ist daher ein psychologischer und histori-scher Irrtum.

t 9) Die vorhergehenden Sätze gelten auch von der Einwir-

I küng der Religion auf den einzelnen Mensche». Ein sich zumI Protestantismus Bekennender kann viel abergläubischer sein, als

l ein Bekenner des Katholizismus. Der Einfluß der Gesamt-

! Zivilisation des Einzelnen ist hierbei entscheidend.

I 10) Die Wirkung der positiven Religion auf einen Schüler,