Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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Lehrer nicht verhehlen, damit er stets zn dem Doppelten gerüstetsei, den dadurch entstehenden Nachteil durch die Art seines Unter-richts (nicht durch Worte) möglichst zu beseitigen und das Los-steuern auf das Ziel nie aus den Augen zu verlieren. DiesesZiel ist die Wahrheit in Verbindung mit der Absicht, sie zu ver-breiten. Pädagogisch angewandt heißt letzteres: die Art und Weise,wie die erkannte Wahrheit an die Menschennatur gebracht wird,immer tiefer zu erkennen und dieser Erkenntnis zn folgen.

Das erste ist demnach die Erkenntnis der Wahrheit. Die-selbe setzt das Wollen, die Wahrheit zu erkennen, was ohne vor-urteilsfreies Suchen nicht möglich ist, voraus. In dieser Be-ziehung befindet sich der Lehrer in einer Hinsicht in einer sehrgünstigen, in einer andern aber in der allerungünstigsten Lage.Die günstige Situation resultiert daraus, daß er sich der Kinder-welt gegenübergestellt sieht, welche im allgemeinen so beschaffenist, wie sie aus der Hand der reinen Natur hervorgegangen, derenklare, vertrauensvolle Augen dein Lehrer minütlich und sekundlichdie Gewißheit liefern, daß ihre Seelen für das Wahre wie fürdas Gute die höchste und reinste Empfänglichkeit besitzen. Siehaben ein reines Interesse an der Wahrheit, denken nicht anäußere Verhältnisse und Zwecke, die den Menschen nur zu leichtbeirren, ihre Seelen sind noch nicht mit Vorurteilen aller Arterfüllt der aufrichtige Lehrer muß sich dadurch zur Ver-kündigung der Wahrheit angespornt fühlen, er befindet sich ineiner reinen Atmosphäre, kurz: in einer günstigen Situation.

Anders und schwierig aber ist seine Lage in anderer Be-ziehung. Abgesehen von der Schwierigkeit überhaupt, die ob-jektive Wahrheit zu erkennen, auch abgesehen von der Mangel-haftigkeit der Bildung, die in der Regel dein Volksschullehrerzuteil zu werden pflegt die Schwierigkeit, von der wir reden,liegt in seiner Stellung.

Er ist angestellt an einer Anstalt, welcher bestimmte Zwecke inan denke nur an die Konfession gestellt sind, man denkea>i den Willen der Vorgesetzten und die vielleicht von ihnen vor-geschriebene (politische) Richtung, an die Satzungen der Kirche,an den Geschmack oder auch an die Vorurteile der Zeitgenossen,

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