der nächsten Umgebung, an den natürlichen Wunsch, mit der-selben in Friede und Einigkeit zu leben, an den Brotkorb fürWeib und Kind u. s. w. :* und man wird einsehen, daß dieLage des Lehrers, welcher das Bedürfnis in sich empfindet, das,was er für wahr erkannt hat, und nur dieses zu verbreiten, eineäußerst schwierige, oft verhängnisvolle genannt werden muß.
Trotzdem bleibt die Forderung der unbedingten Wahrheits-liebe, Wahrheitsforschung und Wahrheitsverbreitung stehen, sieist absolut und unbedingt.
Durch diese Verpflichtung entstehen in Verbindung mit deräußeren Situation des Lehrers nicht selten — und gerade fürden aufrichtigsten — die ernstesten Konflikte, innersten Erregungen^schwersten Versuchungen, erschütterndsten Gewissensfragen.
Allgemeine Regeln für die Lösung dieser Konflikte giebt esnicht; sie muß dem Gewissen derer, die so unglücklich sind, in siezu geraten, überlassen werden. In allen Fällen aber bleibt dieForderung stehen: Wahrheitsliebe, Haß gegen die Unwahrheit,Überzeugungstreue! Sie ist das Ideal, der Pol, um den sichdas Leben und Streben des Einzelnen zu drehen hat. Mit sichselbst hat er es auszumachen, ob und inwieweit er sich zu Ak-kommodationen zu entschließen hat!
„Das theoretisch Beste ist oft in der Praxis der Feind desGuten, des Möglichen". Etwas Unmögliches wollen ist unver-ständig; von allen Hindernissen absehen oder die Hindernisse soaufregen, daß sie das möglich Gute verhindern, ist unsinnig. AlsoKonzession an das gegenwärtig Bestehende, mit der Hoffnung,daß das Bessere sich aus dem Guten entwickeln werde.
Sich akkommodieren aus dem Grunde, weil inan einsieht,daß man Leute vor sich hat, die, wenn inan ihnen die reineWahrheit einschenkte, auch das Gute, für das sie jetzt wohl em-pfänglich sind, verwerfen, mit denen man also zu verfahren hatwie mit Kindern, denen ein weiser Vater nur das sagt, was
* In glücklicher Weise vergangenen Tagen hatte ein so unglücklicheredler Mann noch an andere Dinge zu denken: an Inquisition, Kerker, Folter,Scheiterhaufen; an Disziplinierung, Absetzung u. dgl. denken zu müssen, istaber auch nicht süß. —