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gehört habe. In Gegenwart eines Fremden, oder gar einesRevisors, kam mir nie ein Gedanke, mich genierte jeder Fremde.Es überkam mich das Gefühl, als wenn in meinem Innern eineKlappe geschlossen würde. Im öffentlichen Examen vor demPublikum habe ich mich nie einer gewissen Beklommenheit er-wehren können; ich mußte mich unbeobachtet wissen, wenn ich michfrei fühlen sollte. Darum war mir auch die erzwungene An-wesenheit von Kandidaten der Theologie in dem Seminar sehrwiderwärtig. Tausendmal habe ich mich versucht gefühlt, zuwünschen, daß bei uns die französische und englische Sitteherrschen möge, daß kein Fremder dem Schulunterricht beiwohnendürfe, obgleich ich mir sagen mußte, daß mir selbst in den Schulenüber manches die Augen geöffnet worden sind. Trotzdem aberhabe ich durch den Bestich meines Unterrichts viel Pein ausge-standen. Unterrichten und Bilden gedeiht am besten in Stilleund Verborgenheit.
Wer eine einschüchternde Jugenderziehung genossen hat, wirdsie schwerlich je überwinden. Ein anderes ist Schüchternheit vorMenschen, ein anderes Entschlossenheit in der Verteidigung vonGrundsätzen. Beide Eigenschaften vertragen sich in demselbenIndividuum zusammen. Umgekehrt irrt man sehr, wenn manmeint, ein Bramarbas vor Menschen sei auch in dem Festhaltenvon Ideen ein Held, und wer Prinzipien tapfer, selbst hartnäckigverteidige, sei auch im Leben ein rechthaberischer Geselle. Mitdiesen Jrrtümern steht es wie mit der falschen Ansicht von Be-scheidenheit und Höflichkeit. Der Bescheidene braucht nicht immerhöflich zu sein, ein derbes Wort aus seinem Munde ist oft anrechter Stelle; der Höfliche macht oft unter den höflichstenFormen die impertinentesten Forderungen, ja der geschmeidigstHöfliche gegen Höherstehende ist nicht selten gegen Personenuntergeordneter Stellung der ärgste Grobian. —
19. „Sind die Protestanten schlechtweg fleißigerals die Katholiken? Das wird kein Vernünftigerbehaupten. In unseren Städten arbeiten Gelehrte,Kauflente, Gewerbetreibende beider Bekenntnisse