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erfahren hat und doch bereits über die Religion hinaus ist, sollnur nicht meinen, ein Erzieher sein zu können. Mit der Pie-tisterei hat es heutzutage nur in einigen dumpfen Thälern undbei versessenem Unterleibe armer Weber noch Not; mit der an-regenden Schularbeit verträgt sie sich nicht.
Herr Riehl meint, es sei nicht nötig, daß in Vereinengerade ein Pfarrer den Vorsitz führen müsse; dieser Meinungbin ich auch. In Lehrervereinen gehört einem Lehrer der Vorsitz
— Geistliche sollten darauf gar keinen Anspruch mehr machen.
12. „Wer sich durch seiner Hände Arbeit nährt,der glaubt kaum, daß Geistesarbeit den gleichenSchweiß kosten könne; er ahnt nicht, daß der Geistes-arbeiter inwendig schwitzt."
Dieser Satz bedarf für den Lehrer keines Kommentars.
Als Gegenthese kann beigefügt werden: der Mann einesgeistigen Berufs achtet die Blühen des Handarbeiters oft vielzu gering.
Zur Erklärung des ersten Satzes in seiner Anwendung aufden Lehrerstand dient die Erfahrung, welche, man kann sagen,die Mehrzahl der Erwachsenen in ihrer Schulzeit gemacht hat:die Anstrengung ihrer Lehrer war nicht allzu groß, deren Ge-schäft war mehr oder weniger Handwerk. Wie sehr das andersgeworden ist bei Lehrern, die wir zu den fortgeschrittenen rechnenund die so lehren, wie es heutzutage möglich ist und sein soll
— das wissen die wenigsten. „Lehren" ist bei den ineisten immernoch gleich „dozieren", gleich „auswendig lernen lassen", „über-hören" und „abfragen". Für die französischen und englischenSchulen trifft dieses jetzt noch zu, nicht mehr für die deutschen,die wirklich Schulen des 19. Jahrhunderts sind. Aber dieseAnsicht ist, wenigstens unter dem Landvolke, noch nicht weit ver-breitet. Der Landmann glaubt jetzt noch, daß derjenige seinerSöhne, den er wegen körperlicher Schwäche Schullehrer werdenläßt, es leichter habe, als der, dem er seinen „Hof" vermacht.Am allerleichtesten aber hat es nach seiner Meinung der HerrPfarrer, der, wie er meint, nichts zu thun hat als zu denkenund zu sprechen. Die Gerechtigkeit der Menschen in gegen-