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Die erworbene allgemeine Bildung liefert dazu das Material,sie schützt vor Einseitigkeit und Beschränkung. Das Leben thutdas übrige.
Ein wesentliches Stück zur Fortbildung und Tüchtigmachungim Berufe, denn darauf kommt es an, liefert die Lektüre, die inihrem ernsten Teile zum Studium wird.
Ich will keineswegs damit sagen, daß man das, was manliest und lernt, nur als Mittel ansehen und als solches schätzensolle, keineswegs; vielmehr soll es sein und ist Selbstzweck. Dennnur dann vertieft man sich in den Gegenstand, wenn man wirk-lich Interesse an demselben hat. Dann nur erhält man vouihm nicht bloß Kunde, sondern Einsicht. Aber das Reichdes Wissens und Wissenswürdigen ist unendlich, man muß sichbeschränken, und es ist für ein hohes Glück zu erachten, wennman einem Berufe angehört, der uns so erfüllt, daß man nichtumhin kann, immer daran zu denken und alles andere auf ihnzu beziehen. Wird dann auch nach der Natur der menschlichenDinge das Arbeiten im Berufe und das Lernen zum Berufe einMittel, so ist das doch nicht die Hauptsache, sondern das Arbeitenund Schaffen in dem Berufe ist und bleibt der eigentliche Zweckder Thätigkeit. Sich einem geistigen Berufe widmen, um Geldzu verdienen, ist schlechthin gemein. Man lebt zwar von derBerufsthätigkeit, aber nur dann in der rechten Weise, wenn manfür dieselbe lebt. Der Lehrer arbeitet und denkt für seineSchüler; aber man denkt auch für sich selbst und ist dann einSelbstdenker. Denken ist nebst Wollen dessen, was man durchdenken für richtig erkannt hat, das höchste Glück des Menschen,er heißt darum ein denkendes und wollendes Wesen. Der Selbst-denker hält darum nicht für wahr, was andere gedacht haben,sondern was er selbst gedacht hat. Trifft dies hinterher mit demzusammen, was sogenannte Autoritäten und Celebritäten heraus-gebracht haben, so mag das für eine Bestätigung dessen, wasman selbständig gefunden hat, genommen werden; die rechte Ge-wißheit, Bestimmtheit und Entschiedenheit — Eigenschaften, anwelchen man den Selbstdenker erkennt — wird aber nur durchSelbständigkeit erlangt. Darum ist Selbstdenken unendlich viel