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besser und fördernder als Lesen — lesen, viel lesen — aber nochmehr denken! Wer bloß liest, ohne zu denken, handelt wie einVielfraß, der nichts verarbeitet. Wer gescheut ist, liest nicht inden Augenblicken und Stunden, in welchen sich eigene Gedankenbei ihm einstellen, da diese nicht kommen, wenn man will. Eineinziger eigener Gedanke ist mehr wert, als hundert Gedanken,die man liest. Darum liest inan, wenn keine eigenen Gedankenkommen, was selbst dem Denkendsten in der Mehrzahl der Stundenpassiert. Jeden Aufsatz, der uns neues bringt, d. h. Gedankenin uns anregt, muß man wenigstens zweimal, jedes gute Buchnoch viel öfter lesen. Denn man muß das Ende kennen, um denAnfang und die Mitte gehörig zu würdigen. Mir ist ein Mannbekannt, der Kants Theorie des Himmels und seine Anthro-pologie mehr als zwanzigmal gelesen hat. Man fühlt sich er-frischt, wenn man nur fünf Minuten darin gelesen hat. SchlechteBücher soll man natürlich gar nicht lesen; sie verderben den Ge-schmack an den guten und stehlen die Zeit.
Der Pedant wird meinen, man dürfe sich, lesend wie hörendund redend, nur mit dem Berufswissen beschäftigen, müsse allesandere unbeachtet beiseite liegen lassen, dürfe sich keine davonabschweifende Thätigkeit erlauben. So ist es nicht, man darfsich auch „unterhalten" und „vergnügen"; aber der Grundsatzgilt: lesen bloß zum Zeitvertreib ist Totschlag der Zeit; lesenzur Verwertung — sei es zur Ernährung des Geistes, sei es zurAnwendung im Unterricht — ist edler Gebrauch der Muße-stunden. Das Leben soll ein einheitliches, harmonisches sein.Ganz fremdartige Beschäftigungen, die mit dem Berufe in keinerBeziehung stehen oder davon abziehen, demselben entfremden, dieTüchtigkeit zu demselben nicht erhöhen, sondern schwächen: diesoll der ernste Mensch, der etwas wirken und schaffen will, meiden.Der von ihm gewählte Beruf bezeichnet den Mittelpunkt seinesDenkens und Strebens, fordert Konzentration. „Alles auf dasEine beziehen" ist sein Wahlspruch *, ist der ihu belebende Trieb.
* Nicht in dem Sinne, in welchem Jacotot den Grundsatz aufstellte:„Etwas lernen und alles übrige darauf beziehen". Es giebt kein Wissen,