Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
Seite
332
Einzelbild herunterladen
 

war der Verbreitung der Kenntnisse und der Bildung unter dein Volkedurchaus nicht günstig."

Von den beiden Untersuchungsarten oder Methoden, welche bishermiteinander um die Herrschaft auf dem Gebiete der Wissenschaft gestrittenhaben, geht die induktive von einzelnen, durch sinnliche Wahrnehmungfestzustellenden Thatsachen der Erfahrung aus, während die entgegengesetztededuktive zur Erklärung der Erscheinungen der Natur und des Geistes-lebens gewisse Gesetze oder Prinzipien zu Grunde legt, die sie, unbekümniertum die Hilfe der äußeren Erfahrung, unmittelbar aus dem Bewußtseinselbst schöpfen zu können glaubt."

Buckle erweiset, daß eine dieser Methoden, die »ach seinerAllsicht einer gegenseitigen Ergänzung bedürfen, um die Aufgabeder Erkenntnis zu lösen, nämlich die deduktive, allein die Fragender religiösen Erkenntnis zu beantworten nicht imstande sei.Durch die ausschließende Teilnahine, welche die Lehren der Theo-logen während des XVI. und XVII. Jahrhunderts in Schott-land für sich iir Anspruch genommen hatten, war die Anwendungder deduktiven Methode nach B.s Ansicht dem Geiste des schotti-scheil Volkes so sehr zur anderen Natur geworden, daß auch dieGelehrten, die im XVIII. Jahrhundert das wissenschaftliche In-teresse an die Stelle des theologischeil setzten und in ihren Resul-taten den schroffsten Gegensatz zu den Lehren des kirchlicheil Glaubensbildeten, sich voll dieser Methode nicht losmachen konnten.

Überall, sagt er, wo diese deduktive Methode der Forschung vorherrschte,sind die Kenntnisse zwar oft vermehrt und aufgehäuft worden, aber nie-mals zu einer weiten Verbreitung gelangt; wo hingegen die in-duktive Methode vorgeherrscht hat, ist die Verbreitung des Wissens immerbedeutend oder jedenfalls ohne Vergleich größer gewesen als da, wo die de-duktive herrschte. Wenn in irgend einer zivilisierten Nation zwei Männervon gleicher Begabung mit einer neuen Lehre auftreten und der eine sieaus Gedanken oder allgemeinen Prinzipien ableitet, der andere sie mit Hilfebesonderer und sichtbarer Thatsachen verteidigt, so leidet es keinen Zweifel,daß unter übrigens gleichen Umständen der letztere die meisten Anhängergewinnen würde. Denn Thatsachen scheinen jedem einzuleuchten und sindunwiderleglich, Prinzipien aber liegen nicht so auf der Hand, werden oftbestritten und haben für die, denen sie unzugänglich sind, den Schein derUnwirklichkeit und des Nebelhaften, wodurch ihr Einfluß geschwächt wird.Die induktive Methode, die den Thatsachen den ersten Platz einräumt, istdeshalb wesentlich populär, bringt durch größere Zustimmung einen ent-schiedeneren Erfolg hervor und gewinnt auf die Gestaltung des National-