Es versteht sich von selbst, daß der Elementarunterricht inallen Zweigen des Naturunterrichts den induktiven Weg einschlägt,— von Anschauung und Erfahrung zum Gesetz und der in ihmherrschenden Kraft — und von dieser Erkenntnis aus durch De-duktion die Erscheinungen ableitet und damit erklärt. Eine Er-scheinung erklären heißt: sie aus dem erkannten Gesetze ableiten.So lange das nicht möglich ist, bewegt inan sich auf dein Ge-biete der Empirie, des erfahrungsmäßigen Erkennens, höchstensder Hypothesen.
Die Quellen, ans welchen wir die Kenntnis äußerer That-sachen schöpfen, sind demnach: Beobachtung und Experiment (Er-fahrung), Induktion und Deduktion. Ein Beweis kam: aus eineinoder aus mehreren dieser Operationen bestehen. Das wichtigsteist, daß die Beobachtungen weder mangelhaft, noch falsch sind* *;denn die Induktionen ruhen auf den Beobachtungen, die Deduk-tionen aus den Induktionen. Nur auf dein Grunde richtigerBeobachtungen sind richtige Schlußfolgerungen möglich. Nachobigen Angaben haben die Irrungen und Fehlschlüsse drei Quellen:mangelhafte Beobachtungen, fehlerhafte Verallgemeinerungen (In-duktionen), falsche Schlüsse (Deduktionen).
14) Das geographische Wissen ist wesentlich Erfahrungs-wissen, teilweise Wissen zusammenhangloser Notizen, die nebenund außer einander liegen, deren Zusammenhang nicht nachge-wiesen werden kann. Was in ihr Wissenschaft im weiteren Sinnedes Wortes genannt werden kann, ist durch Induktionen erreicht:die in Wasser und Luft, in Vegetation und Animalisation, in
Körpers von seiner Masse abhängt und im umgekehrten Quadrat der Ent-fernung abnimmt, war ursprünglich Hypothese, die sich dadurch bewährte,daß die Keplerschen Gesetze deduktiv aus ihr abgeleitet werden konnten.Durch Induktion die Hypothese, durch sie die Deduktion der Thatsachen. —
* Daß das nicht so leicht ist, darüber nur die Erinnerung an daseine Beispiel, daß jetzt noch, trotz Copernikus, die Mehrzahl der Menschenglaubt, sie sähe Sonne, Mond und Sterne auf- und untergehen und inKreisen um die Erde laufen. Eine Folgerung wird für eine Thatsache ge-halten — Folge der Unwissenheit. Wie wenig kann man sich hier daher aufBerichte über Thatsachen, denen vorgefaßte Meinungen zu Grund liegen,verlassen! Wenn das von sinnlichen Gegenständen gilt, wie wird es erst mitden Urteilen über abstrakte Gegenstände aussehen! —