auch des Judentums hinstellen, aber ein solcher ist er nicht, weiler nicht aus dein alten, sondern weil er aus dem neuen Testa-ment geschöpft hat, nicht weil er selbst Jude, sondern weil erein echter Christ war. Jenen Männern ist auch MendelssohnReformator, aber sie beklagen seinen Mangel an Konsequenz.Seiner edlen Persönlichkeit nach, in welcher er die allgemeineSittlichkeit, die echte Humanität durch Wort und Leben reprä-sentierte, wirkte er reformierend. Es war aber nach ihnen in-konsequent, daß er sich und sein Volk auch fernerhin an dasZeremonialgesetz fesselte, es widerstrebte dies der Reform. Wohernun das Reformatorische in Mendelssohn? Von dem, was Jenean ihm rühmen, sagt er zu Zeiten, es sei allen Menschen alsdas Gemeinsame in Vernunft und Gewissen gegeben. Ein ander-mal erkennt er die christliche Sittenlehre in ihrer Reinheit undErhabenheit an. Endlich aber spricht er ausdrücklich: „Euch,Locke und Wolf, dir, unsterblicher Leibnitz, stifte ich ein ewigesDenkmal in meinein Herzen. Ohne eure Hilfe wäre ich aufewig verloren-eure Schriften haben die heiligen Wahr-
heiten in meine Seele gegraben, auf die sich meine Glückselig-keit gründet". Also Mendelssohn leitet das, wodurch er Refor-mator des Judentums geworden ist, von christlichen Philosophenund nicht von Moses und vom Mosaismus ab, und Lessing solldasselbe, nur klarer und konsequenter, gebracht haben, weil erein Jude gewesen? Gewiß, wir fühlen es, auch nicht ein Titeldes Rechtes ist vorhanden, auf den sich stützend jene Männeruns unseren Lessing nehmen könnten. Wie ist es aber möglich,daß sie, die sich sonst im Denken tüchtig zeigen und die einenheiligen, sittlichen Ernst bewähren, in diesem Punkt so unklardenken und urteilen können? Der Grund dafür liegt weniger inihnen, als vielmehr in dein, was wir im Laufe der Jahrhunderteauf dem Gebiete der christlichen Kirche zu beklagen haben. DerDogmatismus, der Konfessionalismus, der Fanatismus, wie sieim Namen des Christentums immer wieder aufgetreten siud, undsich geltend gemacht und dadurch den christlichen Namen auf dastiefste geschändet haben, sie bewirken es, daß auch heute nochtrefflich gebildete Juden das Christentum nur in seinein Zerr-