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4 (1891)
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Toleranz wenigstens auf die Fremdlinge im Lande. Aber wiesteht es, wenn im Volke selbst Irrtum, Aberglauben und Abfallvom Jehovahdienst sich entwickeln? Ordnet das Gesetz, daß diesegeistige Verderbnis nur mit geistigen Waffen bekämpft werde?Im Gegenteil, der Prophet oder Träumer, der von Gott ver-führt, soll nach dein Gesetz des Todes sein. Du sollst, wird ge-boten, Bruder, Sohn, Tochter erwürgen, die dich zu anderenGöttern verführen! Auf Gotteslästerung, Fluch, Zauberei,Sabbatverletzung steht der Tod. Immerhin kann zugegebenwerden, daß dergleichen zur Selbsterhaltung, zur Erhaltung desJehovahglaubens notwendig war, nur rühme man nicht, daß diesToleranz war. Wir sind übrigens so glücklich, an einer undderselben Person das Juden- und Christentum in Beziehung aufToleranz anschanen zu können. Paulus, erst Jude, dann Christ,war zu verschiedener Zeit beides aus tiefster, vollster Überzeugung,beides mit dein glühenden Eifer eines frommen, sich rücksichtslosder erkannten Wahrheit hingebenden Gemütes. Als Jude hater Gefallen daran, daß Stephanus um seines Glaubens willengesteinigt wird, schnaubt selbst mit Drohen und Morden widerdie Andersgläubigen, hat seine Lust daran, sie dem Kerker undTode zu überliefern. In Palllus, dein Christen, ist der Glaubens-eifer um nichts geringer; wo einer der Gläubigen geärgert wird,da brennt er. Aber keine Spur mehr von einem Verlangennach den Mitteln der Macht und des Zwanges, um dieselbengegeil das Judentum und für das Christentum in Anwendungzu bringeil. Bereit ist er dagegen, für seine ihn giftig hassen-den Volksgenossen zu leideil, möchte, könnte er sie dadurch seligmacheil, für sie selbst den Bann von Christo erduldeil. Ihnenaber um ihres Glaubens oder Unglaubens willen Leiden zuzu-fügeil, das wäre, auch bei dem Besitz aller Macht, für ihn un-möglich gewesen. Haben wir es Lessing zu danken, daß durchsein Wirken religiöse Duldung in Kraft und Blut unseres Volkesübergegangen ist, so hat er nicht aus dem Mosaismus, wohlaber aus dem Evangelio, aus dem Wesen Christi, geschöpft.

Der zweite Grundsatz war, daß des Menschen Wertnicht von seinem Bekenntnis abhängt und darum