Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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auch nicht nach diesem gemessen werden darf. Wirmeinen natürlich hier das uns geschichtlich überkommene Be-kenntnis. Unser Satz ist nicht mit dem andern gleich: desMenschen Wert hängt nicht von seinem Glauben ab, den wirfür grundfalsch halten. Vielmehr, wie der Mensch ist, so glaubter, und wie er glaubt, so liebt und lebt er, wenn nämlich dasWort glauben richtig verstanden wird. Das Bekenntnis aberist ja in so vielen Fällen nicht ans dem eigenen Geist undGlauben geboren, sondern ist ans Gewohnheit, Vorurteilen undoft schlimmeren Interessen abzuleiten. Die Wahrheit unseresSatzes sehen wir täglich bestätigt. Wer weiß nicht, wie bei denganz gleichen Bekenntnissen einer Gemeinschaft die Glieder der-selben ihrem religiösen und sittlichen Werte nach außerordentlichverschieden sind! Wir sagen kühnlich: mancher römische Christist seinem inneren Wesen nach viel evangelischer, als Hunderteund Tausende, die ans den Namen Evangelische pochen. MancherEvangelische dagegen ist päpstlicher als der Papst und römischerals die Ultramontanen. Wir sagen kühnlich: Mancher Judeunserer Tage ist seinen: eigentlichen Wesen nach echter Christ,daß man ihn: mit den: Klosterbruder znrnfen möchte:Ihr seidein Christ ein besserer Christ war nie". Und mancher Christist wieder Pharisäer von: Scheitel bis zur Sohle, ist echter rab-binischer Stockjnde. Wehe uns deshalb, wollten wir nach denverschiedenen Bekenntnissen richten, selig preisen oder verdammen!Diese Wahrheit, die Lessing in: Nathan uns so warn: ans Herzlegt, ist sie wirklich in: Mosaismus schon zur Anerkennung undGeltung gekommen? Ich wüßte nichts davon dort anzuführenund bitte andere, wenn sie es vermögen, nur den Nachweis zugeben. Der Heiland aber will an: wenigsten nach den: Be-kenntnis messen und verheißt den Herr-Herr! -Sägern eine gründ-liche Abweisung. Der Heiland, der wohl weiß, daß das Heilvon den Juden kommt, läßt sich deshalb doch nie durch jüdischesoder samaritisches Bekenntnis zu einen: bestimmten Urteil übereinen Menschen leiten, sondern sieht sich den Menschen selbst an,der hinter diesen: oder jenen: Bekenntnis steht. Der Heiland,als seine Jünger jemandem wehren wollen, in seinen: Namen zu