Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
Seite
308
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Sind Christ und Jude eher Christ und JudeAls Mensch? Ach! wenn ich einen mehr in euchGefunden hätte, dem es g'nügt, ein MenschZu heißen".

Zurückkehrend zum Ganges spricht frohlockend der Derwisch:

Am Ganges,

Am Ganges nur giebt's Menschen".

Nur noch der schon erwähnten, aus der Geschichte von den dreiRingen gezogenen Ermahnung gedenken wir:

Wohlan,

Es eifere jeder seiner unbestochenen,

Von Vorurteilen freien Liebe nach!

Wir fragen jetzt: Wer hat ein Recht an diesen Grundsätzenund an dem Manne, der sie vertritt das Judentum oder dasChristentum? Bei der Lösung dieser Frage kommt es ebendaraufan, was wir unter Judentum und Christentum verstehen. Manchegebildete, wahrheitsliebende und sittlich ernste Juden erklären dasChristentum für eine Blüte und Frucht des Judentums. Wirstimmen ihnen unbedenklich bei, wenn sie uns eine kleine Ände-rung erlauben, nämlich zu sagen: Das Christentum ist die Blüte,die Frucht des Judentums, d. h. es ist dasjenige, in dem sichdas Judentum seinem echten, ursprünglichen Wesen nach znmvollkommenen Leben entfaltet hat. So erscheint das Judentumin den lieblichen Tagen seiner Kindheit, in der herrlichen Gestaltdes Abraham, der als der Gottgesegnete nicht nur seinen Nach-kommen, sondern auch den Völkern der Erde ein künftiges Heilandeutet. So das Judentum in den Jahren des Manuesnlters,wo es die heißen, schweren Kämpfe in der Glut und Hitze durch-zukämpfen hat, wo es sich uns darstellt in den mächtigeil Gottes-streitern, den geisteskräftigen Propheten. Da, bei allein Schwerem,was die Zeiten heraufgeführt hatten, weissagt es immer ent-schiedener von dem Heil, das Gott stiften werde, indem einneuer Geist werde sprengen die alten Formen, das Gesetz aufdein Stein und die Beschneidung vom Fleisch werde unnvandelnin das Gesetz, geschrieben ins Herz und in die Beschueidung vominwendigen Menschen, wie von dem erlösten Gottesvolk auch dasLicht Gottes werde aufgehen über die übrigen Völker der Erde,