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8) „Schlegel nannte Lessings Gedicht ein Elementarbuchdes höheren Cynismus. — Der Verständige weiß, wieviel daranwahr ist; er weiß namentlich, daß sich eine wunderbare Kühleüber das ganze Werk ergießt." (Eine dein Urteil der gesamtendeutschen Nation widersprechende Behauptung!)
9) „Das Drama ist ans eine Polemik basirt, die geradegegen das ankämpft, was der Jugend am meisten not thnt, undwas die Aufgabe der höheren Lehranstalten nicht ist, zu unter-graben gegen den Glauben." (Ist das Lessingscher Stil?)*
19) „Der Christ ist allein der Menschenliebe fähig. —Ein Jude, der sich heutzutage wie Nathan äußern mag, steht— ein eapnt nioi'tnnin — in einem Nichts."
11) „Man gebe dem Schüler, wie überall (!), so auch hier,nur das Positive!"
12) „Was soll eine solche Lektüre (die des „Nathan") aufeinem Gymnasium? Dieselbe ist von den höheren Lehranstaltengänzlich auszuschließen!" —
Diese und die damit übereinstimmenden Ansichten stehen indem Gutachten des Verfassers, in welchem sie näher motiviertsind. In diesem Auszuge ist das Hauptmotiv hinlänglich aus-gesprochen, jedermann kennt das übrige. Auf mich macht dasGanze einen fast unbeschreiblichen Eindruck, gemischt aus Staunenund Verwunderung, Unwillen, Zorn und — daß ich es geradeheraussage — Verachtung. Ich glaube, daß ein Aufsatz dieserArt von einen: Gebildeten nur in einer Zeit, wie die von 1850bis 1858, geschrieben werden konnte. Was würde aus einer
* Über die Sprache und sprachliche Darstellung Lessings, einMuster für alle Zeiten, nur ein Wort (vr. Schneider, über den Mate-rialismus): „Wenn man in Lessing gelesen hat und dann ein neueresBuch in die Hand nimmt, so merkt man wohl, daß fast ein Jahrhundertdazwischen liegt; aber nicht selten wird man versucht, die Zeitordnung um-zukehren und die neuere Arbeit hundert Jahre hinter Lessing zurückzu-setzen, so unklar und haltungslos ist die Sprache, so verworren und unver-standen sind alle Begriffe, so unsicher und spielerisch sind alle Gedanken."An dieser Kategorie kann man z. B. die schwebende, unsichere und nebel-hafte Bedeutung messen, welche unsere „Rechtgläubigen" in das Wort„positiv" (man muß den Schülern Positives geben!) hineinlegen.