Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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XXIV.

Die Meisterschaft in der Äehrkunst.*

Alles natürliche Werden ist Entwickelung,** alle beabsichtigteFörderung dieses Werdens ist darum Entwickelungskunst. Denkeich an diese Kunst, so denke ich an diese Meisterschaft. Alleswahrhaft bildende Lehren gipfelt in ihr.

Was gehört zu ihrer Anwendung und Ausführung?

Erstens die Gabe der Anregung, die Befähigung, dieKräfte des Zöglings zur Thätigkeit zu bestimmen, die Lust dazuin ihm zu erwecken und seine Selbstthätigkeit hervorzurufen.

Zweitens die vollständige Beherrschung des betreffendenStoffes.

Drittens die Gliederung desselben nach dem individuellenStandpunkte des Zöglings, die Anknüpfung desselben an seineKenntnis, seinen Vorstellungskreis, sein Bewußtsein und die ge-netische Fortführung desselben bis zu dem festgestellten Ziele.

Viertens die Befähigung, die vorausgedachte Reihenfolgeder Vorstellungen und Begriffe je nach dem verschiedenen Ver-halten des Lernenden, das zum Voraus nicht mit mathematischer

* Das Aphoristische dieses Aufsatzes möge seine Rechtfertigung findenin dem Ausspruch Goethes:Das Unzugängliche ist produktiv"es istnicht erschöpfend, nicht allseitig, schließt nicht ab, enthält dadurch den An-trieb, weiter darüber nachzudenken und dadurch zu ergänzen.

** Wer begreift angesichts obiger Wahrheit die Auffassung des ehemaligenholsteinischen berühmten Kirchenfürsten Harms, der dieEntwickelung" alsein verdammungswürdiges Wort bezeichnete.