Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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Klerus, die Freiheit der Schule. Doch, ich muß noch ein Beispielansühren, auch um eines speziellen Zweckes willen, wie tief dieStaatsverwaltung in das Schulwesen eiugreift. Ich erinnereSie, meine Herren, zuvor an die Debatten, die in der vorigenSession geführt worden sind über Petitionen aus der Stadt Lessenund aus der Stadt Posen in betreff des Lehrers Jutrosinski.Ähnliche Petitionen sind der Unterrichts-Kommission vor kurzerZeit zugegangen aus der Stadt Preußisch-Friedland. DieseStadt hat seit 40 Jahren eine Simultanschule gehabt, also langevor der Feststellung der Verfassung. Dieser Zustand ist also dochein gesetzlicher gewesen, und man kann für die Beseitigung derSimultanschule den Art. 12 der Verfassung, der sonst immer zudein Behuf angeführt wird, nicht herbeiziehen; dem der ß 12 sagtgerade, daß es bei den bisher gesetzlichen Bestimmungen bis zumErlaß des Unterrichtsgesetzes sein Bewenden habe solle. Die ge-nannte Simultanschule hat nun, wie gesagt, lange vor der Fest-stellung des Art. 12 existiert, darum spricht Art. 12 für die Bei-behaltung der Simultanschule. Was geschieht? In der ganzenStadt herrschte Zufriedenheit mit der vortrefflich eingerichtetenSchule in sechs Stufenklassen unter einein Rektor. Die Bewohnerfreuten sich über die Fortschritte der Schüler. Da zieht ein neuerkatholischer Pfarrer in die Stadt ein. Sofort fangen die Ver-hetzungen an; er zieht einige seiner Leute an sich, in deren Verbindunger bei der Regierung in Marienwerder darauf anträgt, die bereitsso lange bestandene Simultanschule in zwei Schulen zu zerspalten.Die Regierung weist ihn ab; er wendet sich an die oberste In-stanz. Das hohe Ministerium billigt seinen Antrag nnd befiehlt,daß die Simultanschnle in Preußisch-Friedland, die sechsklassigeSchule, in zwei Schulen geteilt werde, und zwar soll dem katho-lischen Pfarrer eine Klasse überantwortet werden mit einemLehrer. Der Magistrat opponiert; hilft nichts! Die Stadt-verordneten treten für die alte bewahrte Einrichtung ein; hilftnichts! Sie machen bemerklich, es würfe der Pfarrer einenFeuerbrand in die Gemeinde, die alten, veralteten Streitigkeitenwürden wieder austauchen u. s. w., u. s. w., es hilft nichts!

(Heiterkeit.)