Gesetze und Prinzipien, deren vollständige Erforschung bisjetzt noch nicht gelungen ist. Die politische Arithmetik oder dieStatistik liefert dazu die merkwürdigsten Belege in bestimmtenZahlenverhältnissen, z. B. in Feststellung des Verhältnisses dermännlichen und weiblichen Geburten (17 : 16), ja sogar zurhöchsten Verwunderung, da die Handlungen der 'Menschen dochder individuellen Freiheit zu entstammen scheinen*, in Angabedes Verhältnisses der Verbrechen (des Selbstmords z. B.) ineinzelnen Städten und Ländern. So gefaßt ist die Geographieeine Wissenschaft von unendlich reichem Inhalt und Umfang —sie erwartet daher, trotz der umfassenden Forschungen und Leis-tungen Karl Ritters, erst ihren Vollender, wenn auch vorerstnur die Grundlegung unwandelbar gesetzlicher Bestimmungen undfester Prinzipien.
4. Tie Geschichte.
Die Geschichte ist Darstellung der Begebenheiten des gesamtenMenschengeschlechts und der einzelnen Nationen. Ihre Kenntniserlangt man durch Mitteilung, mündlich oder schriftlich, esherrscht also hier die Methode der Mitteilung (dasAcroama, der mitteilende Vortrag) vor. Zwar haben einzelneMänner den Versuch spekulativer Entwickelung aus ange-nommenen Prinzipien gemacht, dieselben sind aber stets kläglichausgefallen. Schien es auch, als wenn sie bis zu bestimmtenund bekannten Thatsachen fort deduzierten, so lag diesem
* „Kennt man das Temperament, die Leidenschaften, knrz den Charaktereines Menschen, so läßt sich dessen Handlungsweise in bestimmter Situationmit Sicherheit Voraussagen. A. läßt sich Hinreißen, indem er sich vergißt,er ist ein heiterer Gesellschafter, er liebt den Trunk oder den Trank, heuteAbend besucht er eine Hochzeit — was folgt daraus für seinen Zustand inder Mitternachtsstunde? Das zu prognostizieren, dazu gehört keine Propheten-gabe. — Der tiefe Denker Franz Baco von Verulam betrachtete dieIndividualität des Menschen als ein Produkt von Natur und Geschichte,durchgängig bestimmt durch natürliche und geschichtliche Einflüsse, durch innereAnlagen und äußere Einwirkungen. Genau so hat auch Shakespeareden Menschen und sein Schicksal verstanden: er faßte den Charakter als einProdukt dieses Naturells und dieser geschichtlichen Stellung und dasSchicksal als das Produkt dieses Charakters.