XIX.
Emanzipation der Schule.
Die „Emanzipation" ist unter uns wieder auf demTapet, nicht die Emanzipation (der Sklaven), welche untereinem Brudervolke einen der furchtbarsten Kriege hervorgerufeuhat, auch nicht die Emanzipation des „vierten Standes", überwelche jetzt unsere Sozialisten miteinander kämpfen, sondern die„Emanzipation der Schule". Seit länger als einem Jahrhundertsteht sie wie ein Fragezeichen auf dem Piket (Piquet).
Sie hat, mit einem Einfall beginnend, die Stufen einerGrille, einer Phantasie, einer Idee, einer Möglichkeit, einerWahrscheinlichkeit, kurz von dem Standpunkte eines Phantomsaus alle Stufen eines Problems bis zur Realität durchgemacht.Gegenwärtig steht sie aus dem Stadium des eben gesetzten Ge-dankenstrichs, sie schreitet zur Verwirklichung vor.
Zuerst hauste sie in dem Gehirn „neuerungssüchtiger Denker".Einer der ersten und tüchtigsten war Seidenstücker*. Ihmfolgte der Zahl nach eine halbe Legion, jedoch nicht geschart wieeine Phalanx, sondern unterbrochen und getrennt, bald hier einer,bald da einer, meist selbständig und ans eigenen Gedanken —
* Die Tüchtigkeit bezieht sich auf den Gymnasialdirektor. 1799artete in ihm die „Idee", durch feindselige Angriffe gesteigert, bis zumExtrem aus, indem er die Kirche unter die Aufsicht der Schule gestelltwissen wollte, meinend: wer das Fundament lege, dem gehöre auch dieAufsicht über den ganzen Bau. So viel ich weiß, ist er mit diesem Vor-schläge allein geblieben.