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Roheit verschwindet, die Humanität wächst. Die sogenanntenHochgebildeten oder die oberen Stände haben es infolge desherrschend gewordenen Zeitgeistes verlernt, das „gemeine Volk" zuverachten, sich hochmütig von ihm abzusondern; Personen, die zuden gebildetsten gehören, suchen eine Ehre darin, sich unter das„Volk" zu mischen und zu seiner Bildung beizutragen.
5) Die humane, alle Bewohner des Staates in gleicherWeise behandelnde Gesetzgebung, die Gleichheit derselben inRechten und Pflichten, ganz abgesehen von der Verschiedenheitihrer religiösen Bekenntnisse. Daß die sittlich-erhabenen Grund-sätze des Christentums (die Lehren und das Beispiel ihresStifters) unendlich viel zur Verbreitung der allgemeinen Menschen-liebe beigetragen haben, wird niemand in Abrede stellen; aberdas Prinzip der Gleichberechtigung aller Staatsbürger ist vanden Bekennern des strengen Offenbarungsglaubens nicht ausge-gangen, die Emanzipation der jüdischen Staatsbürger ist nichtvon ihnen beantragt, ist vielmehr von ihnen bekämpft worden,geschieht auch noch bis zum heutigen Tage; sondern ist eineFolge des humaner und gerechter gewordenen Zeitgeistes, derin der neueren Gesetzgebung der Kulturstaaten seinen Ausdruckgefunden hat.
6) Die vermehrte Schulbildung, erzeugt durch gründlichereBildung der Lehrer, und ihre Verbreitung über alle Klassen derBevölkerung, wenigstens in deutschen Ländern.
Dieses sind nach meiner Auffassung die Faktoren, welchedas edle Gewächs der Toleranz mit erzeugt haben. Da dieselbenfortwährend an Alach t und Einfluß gewinnen, so läßt sich auffortwährendes Wachstum desselben mit Sicherheit rechnen. DasXX. Jahrhundert wird die Intoleranz voraussichtlich nur durchdie Geschichte vergangener Jahrhunderte kennen lernen.