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4 (1891)
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haben. (Ich habe nichts dagegen, wenn jemand sich schon durchdas WortDuldsamkeit" verletzt fühlt, indem er meint, derGebrauch derselben deute schon eine tiefe Stufe der Kultur an ich ineine: dieses Gefühl ist ein sehr anziehendes, feines.)Bei mir kann jeder nach feiner Faxon selig werden". So dachteauch der größte Habsburger, Joseph II.

6) Die (gleichfalls) geschichtliche Wahrheit, daß das Pfaffen-tum jeder Art (das Junkertum ist nichts anderes, als eine SpeziesPfaffentum) die Intoleranz befördert.

7) Die Erfahrung, daß unedle und verkehrte Eigenschaftenüberhaupt unduldsam machen: Prädestinationswahn, Adelsdünkel,Gelehrtenhochmnt, Geldstolz, Nationalübermut rc. rc.

Ich denke, aus allem dem folgt die Richtigkeit des großenSatzes: In allerlei Volk, wer Gott fürchtet und Recht thut, istGott und Menschen angenehm.

Und was die Lehrer und Erzieher zu thun haben, um dieedle Tugend der Toleranz zu verbreiten, Gerechtigkeit gegen dieMenschen ausüben zu lernen (was du nicht willst u. s. w."),das meine ich, liegt in dem Bisherigen klar vor Augen.Endlich ziehen wir aus der Betrachtung folgende Schlüsse:

a. einen Menschen wegen seiner von den unserigen abweichen-den religiösen Vorstellungen gering zu achten, ist unver-ständig ;

b. ihm nnsere Meinungen aufzudrängen, ist thöricht;

e. ihn wegen seiner Meinung zu verfolgen nnd zu strafen, istverbrecherisch;

ck. einein ganzen Volke deswegen zu grollen und es mit Kriegzu überziehen, ist eins der denkbar größten Verbrechen.

Als mitwirkende Ursachen der Verbreitung der edlen Tugendder Toleranz mögen speziell noch einige betont werden.

1) Die Einsicht, daß die Religion, zu welcher sich die Men-schen bekennen, nicht ihr freies, selbständiges Werk ist, sondernvon ihrer Geburt, von den Eltern, abhängt (inan hat diesesVerhältnis denZufall" genannt), und daß die in dem ersten,einflußreichsten Stadium des Lebens empfangenen Eindrücke vonsolcher Macht sind, daß die unendliche Mehrzahl der Menschen