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4 (1891)
Entstehung
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ohne Menschenliebe, Menschenachtling, Gerechtigkeit, Allerkennungder Menschenwürde in jedem andern. Diese Eigenschaften be-gründen die Toleranz; die Anhänglichkeit und Liebe zu ihr istetwas voll dem Jndifferentismus durchaus Verschiedenes.

Es kommen noch manche unterstützende Momente hinzu:

1) Die Betrachtung, daß das Religionsbekenntnis einesMenschen in der Regel nicht die Folge freier Wahl, sondern seinerGeburt, seiner Erziehung, seiner Umgebung ist. (Was konnteich dafür, sagte ein bekehrter Muselmann, daß ich dem Prophetenanhing? Wäret Ihr, von meiner Mutter geboren und in meinerWeise erzogen, Christen geworden?)

2) Die Wahrnehmung, daß die Sittlichkeit des Menschennicht vom Dogma abhängt, oder daß es sich wenigstens von soschwacher Wirkung zeigt, daß es gegen die übrigen Faktoren alsein sehr schwaches Moment erscheint.* Unter den Bekennen:jeder Religion gab und giebt es edle und ruchlose Menschen.Welche von den Fraktionen des Christentums die edelsten Menschenerzieht, ist bekanntlich noch eine Streitfrage, obgleich man meinensollte, daß die tugendhaftesten, überhaupt tüchtigsten Menschenauch da zu finden sein müßten, wo der Aberglaube am meistenüberwunden, die Intelligenz am weitesten entwickelt ist.

3) Die Gewißheit, daß der Wert des Menschen nicht nachdem Glauben, zu den: er sich bekennt, sondern nach seinen mensch-lichen Eigenschaften zu beurteilen ist.

4) Die Thatsache, daß die Religion, welche in dem Menschenwahr und lebendig ist, sich als Produkt seiner Gesamtbildungerweist und mit ihr sich ändert (fortschreitet).**

* Es kommt daher in der Erziehung noch auf ganz andere Dinge alsauf Streng- und Festgläubigkeit an. Mir sind erschütternde Beispiele vonFolgen bekannt geworden, welche Menschen dieser Richtung als Väteran ihren Kindern haben erleben müssen.

** Wenn zwei an Bildung und Charakter verschiedene Menschen das-selbe thun es ist nicht dasselbe; wenn sie dasselbe reden es ist nichtdasselbe; wenn sie dasselbe Bekenntnis aussprechen es ist nicht dasselbe.Das Verständnis der Religion richtet sich nach ihrem Gesamtstandpunkte.Das geht soweit, daß ein abergläubischer, unwissender Mensch in eine Re-ligion, die frei von abergläubischen Meinungen ist, seinen Aberglauben hin-