Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

xvm.

Toleranz.

(Aus welthistorischem und pädagogischem Gesichtspunkte.)

Soweit ich sehe, haben die Menschen, selbst denkende undwohlmeinende der Gegenwart, wie auch die aus der neuesteil Zeitmitgeteilten Äußerungen beweisen, über dieToleranz" noch sehrverschiedene Ansichten. Ich folgere daraus, daß sie über die Ur-sachen und Quellen der Toleranz und ihres Gegenteils, der In-toleranz, nicht in erwünschtem Grade aufgeklärt sind. Dies ver-anlaßt mich, den Versuch zu machen, darüber einiges Licht zuverbreiten, welches zugleich dazu geeignet sein wird, in ein pä-dagogisches Gebiet einige Blicke zu thun. Ich will keine ausge-dehnte Abhandlung darüber schreibeil, sondern nur meine Meinungmehr summarisch darlegen.

Die erste, wenn auch nicht die häufigste Ursache der Unduld-samkeit ist der Haß gegen alle Religion.

Es giebt Menschen, welche von Religion gar nichts wissenwollen, denen sie, namentlich was Kirche heißt und damit inVerbindung steht, so zuwider ist, daß sie auf alle diejenigen,welche an Religion lind Kirche hängen, einen Haß werfen, sie,wie sie sageil, wegen ihres Maiigels anAufklärung", wegenihrerDnmmheit" oder ihrerHeuchelei" verurteilen und sichvon ihnen abwenden. Woher dieser Haß stammt, brauchen wirnicht zu untersuchen) wahrscheinlich hat die verkehrte Art undWeise, durch die sie in der Jugend in die Religion lind Kircheeingeführt wurden, eineil großeil Anteil daran. Genug, die Un-