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4 (1891)
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duldsamkeit aus allgemeinem Religionshaß ist vorhanden, wennauch diese Spezies der Intoleranz nicht gerade zu den häufigstenErscheinungen gehört.

Die zweite und Hauptursache der religiösen Unduldsamkeitist die überspannte Vorstellung von dem Wert deseigenen Bekenntnisses (besonders des Dogmas) und diedaraus folgende Geringschätzung, Verachtung und Verwerfungjedes anderen Glaubensinhaltes.

Alleinseligmachender spezifischer Glaube, ausschließlich selig-machende Kirche, Erlösung und Heiligkeit versprechende Gebräucheuud Handlungen und alles das, was damit zusammenhängt, er-zeugen in den dazu geeigneten Personen die Abneigung und denHaß gegen jeden anderen Glauben und dessen Anhänger, erzeugendie Vorstellung von Ketzerei und machen bereit zu deren Ver-folgung und Ausrottung, können und der Umstand verdient,eben weil er überrascht, besonders in Betracht gezogen zu werden die tugendhaftesten und sittlichsten Menschen in Verfolgerverwandeln. Man verstehe richtig: sie lassen sich durch die bestenAbsichten zu Handlungen verleiten, die wir doch unbedingtverwerfen müssen. Sie wollen die Seelen ihrer Gegner retten,wollen sie des nach ihrer Meinung denkbar höchsten Schatzes teil-haftig machen, scheuen sich nicht, durch ihre Bemühungen selbstzu Märtyrern zu werden und deren Tod zu erleiden, werdendaher was nicht verkannt werden darf durch die edelstenTriebe zu furchtbaren Handlungen veranlaßt. Aufopferungs-fähigkeit und die damit verbundenen Eigenschaften schützen dem-nach, nach dieser allbekannten Erfahrung, vor dem Religionshaßund der religiösen Verfolgung nicht, sondern treiben, wennjener Glaube von der ausschließlichen Seligmachung einer Religionvorhanden ist, dazu an. Sittlich kann man daher Menschendieser Art nicht verdammen, eher verdienen sie bewundert zuwerden, wenn man auch volle Ursache hat,, ihre Verblendung zubeklagen und sich gegen ihr Vorgehen zu verteidigen, merke des-halb: die Ursache der Verketzerung und der Verfolgung der ver-meintlichen Ketzer von Mensche» der bezeichneten Art ist nicht derMangel der Tugend, sondern der Mangel richtiger Er-

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