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bekenntnisse abnehmen wollte? Und doch sollte inan meinen, einUnmündiger sei eher reif dazu, über die sicht-, fühl- und greif-baren Dinge eine Meinung zu haben und ein Urteil darüber zufällen, als über die unsichtbaren. Fürwahr, es passieren seltsameDinge unter unseren Augen, und niemand wundert sich darüber.Woher das wohl kommen mag? Und wird es immer so bleiben?— Auf diese Frage eben antwortet das Projekt einer konfessions-losen Schule, so weit eben diese Schule dabei beteiligt ist. —
Das Aussprechen von Glaubensbekenntnissen durch denMund unmündiger Kinder gewöhnt sie 1) an das Nachsprechenunverstandener Worte; 2) an Zeugnisablegung von Dingen, diesie weder gesehen, noch gehört, noch gedacht haben, d. h. anHeuchelei und Falschzeugnis.
So alle Dummblindgläubigen. Goethe charakterisiert sie.Im Faust fordert Mephisto denselben zu einein Zeugnis auf, daßder Schwertlei n in Padua gestorben und begraben sei. Faustweigert sich, Mephisto erwidert darauf: sancta simplieitas undfährt dann fort:
„O, heil'ger Mann, da wär't ihr's nun!
Ist es das erste Mal in Eurem Leben,
Daß Ihr falsch Zeugnis abgelegt?
Habt Ihr von Gott, der Welt und was sich drin beweget,
Vom Menschen, was sich ihm zu Kopf und Herzen regt,
Definitionen nicht mit großer Kraft gegeben?
Mit frecher Stirne, kühner Brust?
Habt Ihr davon, Ihr müßt es grad gestehen.
So viel, als von Herrn Schwertleins Tod gewußt."
Der Tendenz der oben wörtlich angeführten Aussprüche dergenannten Männer habe ich zustimmen müssen. Ich habe darumnicht ausgehört, sowohl in ineinen „Rheinischen Blättern", alsauch in verschiedenen Teilen des „Jahrbuchs" die mich für kon-fessionslose Schulen stimmenden Gründe aufzuführen und die-selben zu verteidigen. Meine Überzeugung zwingt mich, damitsortznfahren. Es sprechen für sie nicht bloß allgemein-päda-gogische, sondern auch nationale und sehr ins Gewicht fallendereligiöse Gründe.