Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
Seite
188
Einzelbild herunterladen
 

188

loren; zugleich kann er nur mit Schauder» vor sich Hinblicken,da er fühlt, daß er sich nicht mehr ändern kann; denn eine ein-gewöhnte Unterrichtsweise kann man ja nicht wechseln wie einenRock, den man ablegt, und wofür inan einen anderen anzieht.

(Bravo!)

Die Unterrichtsmethode ist in dem wahren Lehrer Fleischund Blut, ist der Mensch selbst.

(Bravo U

Ein so unglücklicher Lehrer muß voller Verzweiflung das-jenige gelesen haben, was ihm die Unterrichtsbehörde, seine höchsteAutorität, vorlegte und zu seinem Schrecken insinuierte, schwarzauf weiß in einer ministeriellen Denkschrift, einem Manifest.Mas für einen Eindruck muß dasselbe auf den Alaun machen,der mit Freude und Stolz an seine Lehrer zurückdenkt, und sichglücklich schätzt, einst von solchen Männer» unterwiesen wordenzu sein, deren Erinnerung zu dem Edelstei: gehört, was er besitzt,und denen zu danken und sie hoch zu halten er sich nimmer ent-brechen kann gleich einen: Dolchstich muß ein solcher Alaunes empfinden, wenn er erfährt, daß man diese seine Lehrer, andie er, wie jeder gute Mensch, nur mit Hochachtung und Ver-ehrung denkt, verdammt und öffentlich an den Pranger stellt.Erziehnngs- und Schulsachen darf man doch wahrlich nicht sobehandeln, wie man vielleicht Matrosen-Angelegenheiten abmachendarf. Lehrer haben Anspruch aus eine andere Behandlungs-weise, tote wie lebende. Wer das nicht beachtet, begeht einschreiendes Unrecht, er vergreift sich an den: innersten Leben desMenschen!

Anders verhält es sich mit denjenigen Lehrern, denen diehohe Unterrichtsbehörde keine Autorität mehr ist. In diesen:Falle stellt sich das Verhältnis glücklicher; der Schullehrer gehörtdem Volke, nicht der Behörde. Derjenige, in dem Zweifel auf-stiegen, ob das richtig sei, was in der Denkschrift gedruckt den:größeren Publikum vorgelegt wurde, und der, wenn er seine Er-fahrung fragte, sich sagen mußte, daß dasselbe eben nicht wahrsei, daß seine Lehrer nicht verdient hätten, vor den: Publikumprostituiert zu werden, ist in der glücklicheren Lage, und das ist