Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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also, nachdem der jetzige Minister diese Konzessionen gemachthat, was thun nun die Behörden? Jetzt treten sie auf uudklagen die vor-regulativischen Lehrer-Seminarien an, daß sie inder deutschen Litteratur nichts geleistet hätten. Meine Herren,da hört doch in der That alles auf.

(Zustimmung.)

Der Schlußsatz, der zwölfte Satz, wirft eiu Licht über dasGanze, und er charakterisiert den Inhalt und die Tendenz derganzen Denkschrift, indem er besagt: was die Schullehrer an-menden sollten, das haben sie nicht gelernt, und was sie gelernthaben, das können sie nicht anwenden. Ein Lehrer, der dembeistimmt, könnte mit Faustus ausrufen:Was man nicht weiß,das eben brauchte man, und was man weiß, kann man nichtbrauchen."

Die Denkschrift, nnn, meine Herren! hat natürlicherweiseauf die Lehrer einen erschütternden Eindruck ausgeübt, namentlichauf denjenigen Teil, welcher bisher das hohe Ministerium alseine Autorität in Schulsachen erachtete. Das ist ganz natürlich.Ein Manu in solcher Lage würde zu sich selbst sprechen:Dubist vor 20, 30 oder 40 Jahreu in die königliche Staatsanstalt,Seminar genannt, mit der Hoffnung eiugetrete», daß du dortvon tüchtigen Lehrern lernen würdest, in welcher Weise du deinganzes ferneres Leben hindurch fortfahreu könntest, die Jugendnaturgemäß bildend zu unterrichten! Mit Vertrauen und Liebehast dn zu den Füßen hochachtbarer Männer gesessen, du hast sieauch dein lebeulang lieb und wert gehalten, du bist aus deinvon ihnen bezeichneten Wege vorwärts gegangen u. s. w. u. s. m.,und nun tritt mit einem male die höchste Unterrichts-Behördeauf und sagt:dn hast einen verkehrten Weg eingeschlagen, duhast das Richtige nicht gelernt, was du gelernt hast, kannst dunicht gebrauchen u. s. w " Daß die Denkschrift einen nieder-schmetternden Eindruck auf einen so denkenden, gehorsam denkendenLehrer machen mußte, begreift wohl jeder. Ja, es wäre erklärlich,wenn er an seinem ganzen Wirken verzweifelte. Er könnte nurmit Schaudern rückwärts blicken, es ist ja sozusagen alles verkehrtgegangen, er hat nur verderblich gewirkt, sein Leben war ver-