Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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liefert den Schlüssel zu all den Verschiedenheiten, den Kultur-stufen, daß man sie dann alle begreift, und als kostbares Resultatderselben entsteht die Toleranz, die Religion der Humanität, dieWeltanschauung des über Engherzigkeit und Beschränkung hiuaus-gehobenen freien Mannes.

Wer in der Weltgeschichte die Geschichte der Entwickelungder Menschheit, in der Geschichte der Wissenschaften die all-mähliche Enthüllung der Wahrheit erblickt, kann konsequenter-weise nicht anders urteilen, als daß auch das Christentum nichtein ursprünglich vollkommenes, himmlisches, sondern ein mensch-liches, allmählich gewordenes und werdendes Produktder Eutwickeluug des Meuschengeistes sei. Es ist zugleich einilebenskeim mit dem Triebe und der Bestimmung, ein die ganzeMenschheit durchdringendes Prinzip zu werden, das Prinzip desewigen Fortschritts.

Mit Recht fragt der denkende Mann: Wie steht es mit derEntstehung und Entwickelung der Religionen, insonderheit desChristentums? Oder ist es Anmaßung und Frechheit, dabei vonEntwickelung zu reden? Dieses möchte allerdings der Fallsein, wenn es fertig vom Himmel gefallen wäre, wie die altenSymboliker voraussetzten und die heutigen Orthodoxen behaupten.Solche Annahme stellt aber alle Geschichte auf den Kopf, undvon Entwickelung aus Uranfängen, Keimen und Grundlagenkann dann keine Rede sein. Solches ist, wie bekannt, derStandpunkt der Spmboltheologie, nimmermehr aber der Ge-schichte. Die »euere, tiefere Kritik der neutestamentlicheu Schriftenweist ihren natürlichen, aus den Gegensätzen der Zeit erklärbarenUrsprung nach, und das Christentum nimmt nicht nur an dergeschichtlichen Entwickelung Anteil, sondern erweist seine Energieund alles überwältigende, mit der Vernunft übereinstimmendeMacht durch die über alle feindlichen Gegensätze hinausgeheudeund über sie triumphierende Entwickelung, erst in demapostolischen Zeitalter, später in der Reformationszeit, und inden jetzigen Tagen und in der Zukunft durch die Gewißheit seinesvernunftgemäßen Ursprungs und seiner fortgehenden geschicht-lichen Entfaltung. So meinte es auch der Urheber und Stifter,