XIII.
g, Hul'tur und Leikgeisl.
1. Man unterscheidet Bildnng des einzelnen Menschenund Bildung des Volkes.
So viel steht fest, der Begriff der Bildung ist kein objektivoder absolut feststehender für alle Zeiten, sondern ein flüssigeroder fließender Begriff; ein gebildeter Alaun von anno 1 derchristlichen Zeitrechnung würde dem Begriff der Bildung des19. christlichen Jahrhunderts nicht entsprechen. Dennoch liege»bleibende Momente im Begriff der Bildung: überwundene Roheit,beseitigte pure Natürlichkeit — entwickeltes Erkennen, Fühle»und Wollen — Liebe zu Wahrheit, Schönheit, Tugend -Charakterfestigkeit und Energie: alles zusammen in harmonischerEinheit der fort und fort sich entwickelnden Individualität. Diebeiden letzten Momente sind von besonderer Wichtigkeit; ein ge-bildeter Mann ist etwas anderes als ein gebildetes Weib, undwahre Bildung besteht in fortschreitendem Werden der demIndividuum eigentümlichen Persönlichkeit*.
* Kein Dressiere», kein Mechanisieren des Geistigen, kein Uniformieren,kein Schablonieren, kein willkürliches Formieren, folglich auch kein püda-gogisierendes Systematisieren — denn wen» auch in betreff des Unterrichtsein System bestehen mag oder soll, so ist doch die Erziehung eines Menschennach einem erdachten System schlechthin verwerflich. Ein solches Systemnämlich ist im besten Falle aus der Beobachtung und Kenntnis der Menschen-natur gebildet, induktorisch aus einer Anzahl von konkreten, individuellenFällen, welche nimmermehr die unendliche Zahl der Individuen umfassenoder repräsentieren und die zahllose Mannigfaltigkeit individueller Natur-