Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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wendigkeit, edlen Stoff in dasselbe zu pflanzen, Warnungszeichenzu setzen:Hier liegen Fußangeln und Selbstschuß."

Es giebt Seelenkräfte, die nicht überspannt werden können.Zu verständig kann man nicht werden; ebensowenig kann manzu vernünftig, zu scharfsinnig, noch weniger kann man zu wahrund zu rechtschaffen werden; oder wem es scheinen wollte, daßman zu verständig werden und folglich zu verständig aus-gebildet werden könne, der faßt den Begriff des Verstandes unddes Verständigwerdens von einer einseitigen, schiefen Seite.

Der Verstand schadet auch, wie noch so viele wähnen, demGemütsleben nicht, im Gegenteil, der rechte Verstand, die rechteEinficht, die tiefe Erkenntnis ist nicht nur der Regulator fürdas wahre Gemütsleben, sondern auch der Befruchter desselben.Wie nach einem tiefen DenkerErkenntnis und Wille dasselbe sind"(intsllsstus st votuntas 68t unum st icksm), so ist auch Er-kenntnis und Gemüt, Einsicht und Gemüt oder Gefühl oder Herzdasselbe. Wein es nicht so scheint, der verwechselt Verstand mitWeltklugheit, Pfiffigkeit, Egoismus und Fuchsnatur.

Das Gedächtnis ist eilte niedere Kraft der Seele, das istunbestreitbar. Es schafft nicht, es treibt nicht, es regiert undbestimmt nicht, es empfängt, es behält, es ist ein Depositorium.Und es können in ihm edle Schätze liegen, ohne daß sie demMenschen im allergeringsten Nutzen schaffen. Es geht damit wiedein Geizhals, dem die aufgehäusten Metalle nichts nützen, wiedein Kapitalisten, der mit seinem Vermögen nichts auszurichtenversteht. Dagegen kamt einer mit einem kleinen Kapital vielausrichten, wenn er es zu verwerten, umzuschlagen und anzu-wenden versteht. Dieses thut das Gedächtnis nicht, das thun diehöheren, aktiven, schaffenden Seelenkräfte. Darum bleibt derenAusbildung überall das oberste Augenmerk des bildenden Er-ziehers.

Mai: kann das Gedächtnis schrecklich mißbrauchen, man kannüber seiner Pflege das Höchste vergessen, man kann den Menschendurch Gedächtnisbelastung ruinieren.

Blickt man in die Beschaffenheit vieler tausend Menschen,beachtet man die Natur eines großen Teiles unserer Nation, inan