Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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VIII.

GedacAmspffege über alles?

Ich habe seiner Zeit auf die Bedeutung der Schrift vonLaistner über das Gedächtnis und dessen Ausbildung hinge-wiesen. Es drängt mich, dieser Hinweisung noch ein Wort nach-zusenden, überhaupt über die Pflege des Gedächtnisses und derenBedeutung meine Meinung zu sagen.

Jedermann erkennt die Wichtigkeit lind Notwendigkeit derÜbung und Ausbildung des Gedächtnisses in der Jugend, undwenn sie bisher noch nicht festgestellt war, so ist es nunmehrdurch Laistner geschehen.

Wenn man nun gleichzeitig dreierlei bedenkt: einmal dieBeschaffenheit vieler Kinder, zweitens die Verhältnisse vielerSchulen und drittens die Eigentümlichkeit vieler Lehrer, so wirdman voll der Besorgnis überfallen, daß man des Guteil leichtzu viel thun, d. h. Schlimmes anrichten könne. Das Gedächtnissoll kultiviert, es soll an behaltenswürdigem Stoff geübt, essollen edle Gedanken unverlierbar in ihm niedergelegt werden.

Kann darin des Guten nicht zu viel geschehen? Kann dasGedächtnis nicht beschwert und überlastet, können dadurch nichtdie höheren Kräfte der Seele niedergehalten oder gar gelähmtwerden?

Ohne allen Zweifel.

Wer davon überzeugt ist, fühlt sich gedrungen, neben dieEmpfehlung der Gedächtnispflege, oder, wem diese Mahnung zuallgemein und abstrakt klingt, neben die Anerkennung der Not-