Zöglingen aufgebaut werden, und zwar so, daß sie nicht bloßdie Bauart des Hauses kenuen lernten, sondern überhaupt zumBauen befähigt würden, um später einmal, nach 10 oder 20Jahren, weit über die Meister hinausbauen zu können. Das istdie Aufgabe des Seminars; davon weiß aber das betreffendeRegulativ nichts: es weiß überhaupt nichts von einem ent-wickelnden, erziehenden, naturgemäßen Unterricht; die Verfasserder Schul-Edikte wissen von der entwickelnden Unterrichtsmethodenichts, sie wissen davon so wenig, wie unsere Geistlichen, die,wenn inan davon spricht, meist nicht einmal verstehen, was manmeint. Wer es nicht gesehen hat, wie die moderne Unterrichts-weise ist, was sie an den Kindern thut, was sie geleistet hat,was das Seminar damit auch wirklich leistet, wenn die Schülerfleißig und einigermaßen begabt sind, der kann darüber gar nichturteilen. Es herrscht eine Freudigkeit in diesen Schulen seitensder Lehrer und der Schüler, die nie dagewesen ist; die Kindersind nicht mehr zurückzuhalten von solchen Schulen, und was dieKinder mit Freuden gelernt haben, das behalten sie auch. Ichmuß daher dem Verfasser der Regulative die Kenntnis diesermodernen Unterrichtsweise gänzlich absprechen.
Nach dem, was ich jetzt gesagt habe, — ich komme nun zumSchluß — würden Sie erwarten können, daß ich einen anderenAntrag stelle, als die Kommission. Ich werde das aber nichtthun, weil ich glaube, daß ich nicht Kraft genug besitze, um dasHaus zu einem derberen und energischeren Beschlüsse zu veran-lassen. Aus meinen Bemerkungen aber ziehe ich den Schluß(wäre ich in einem pädagogischen Kongreß oder in einer Schul-kommission, so würde ich in ausführlicherer Weise sprechen): ichhalte die Schulregulative für unpsychologisch, dieSchul-Edikte — und weil sie verfassungswidrig sind, die Or-donnanzen des Herrn v. Raumer —ich halte sie, sage ich,für unpsychologisch, weil sie nicht Rücksicht nehmen auf die Ent-wickelungsgesetze des menschlichen Geistes; ich halte sie darumauch für unmethodisch, ferner für un pädagogisch, weilsie den Zweck nicht erreichen, den sie anstreben, namentlich inreligiöser Beziehung, indem sie dem Kinde einen lebens-