Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
Seite
87
Einzelbild herunterladen
 

Weltgeschichte, auch die Kirchenlehre, verbietet die allgemeineLitteraturgeschichte; die Katechetik, die der alte Trotze ndorfdie Sonne der Schule nannte, und von der Schleiermachernoch sagte, daß er mehr Wert darauf lege, als auf das tüchtigePredigen, ist eliminiert, verbannt u. s. w. Der mathematischeUnterricht ist jetzt von dem Herrn Minister etwas gesteigertworden, auch hat er erlaubt, etwas Chemie unter Umständenein bißchen unter die Leute zu bringen; aber man erblicktim ganzen keinen Fortschritt nach dem Bedürfnisse der Zeit,sondern einen offenbaren Rückschritt. Das betreffende Regulativhat die Tendenz, die Leute fertig zu machen, so fertig, daßsie in der einklassigen Schule sofort unterrichten können, wie dieMeister.

(Heiterkeit.)

Ich gebe zu, daß ihnen dies einigermaßen gelingen kann;aber nur auf Kosten vieler anderen, wichtigeren Rücksichten. DieHauptaufgabe des Seminars ist die, in den Leuten aus derGrundlage wissenschaftlicher Kenntnisse in breitem Umfange denTrieb zum unablässigen Fortschreiten zu legen, diesen Trieb in siehineinzupflanzen. Ich denke: das ist ganz etwas anderes, alsjunge Leute fertig zu machen an fertigem Stoff. Nehmen Siean, daß diese fertigen Leute, die sich doch stets in engem Kreisebewegen, in dem sie täglich dasselbe treiben, nach 10, 20 Jahrenwieder ausgesucht werden, und dieselben sind nicht von wissen-schaftlichem Trieb fortgeführt worden, was wird man finden,was wird aus ihnen geworden sein? Ohne Zweifel wieder solcheVogelscheuchen, die man ehemals auf die Bretter brachte, die dieWelt bedeuten, und dort lächerlich machte. Dem beugt manaber nur vor durch wissenschaftliche Bildung. Im hohen Herren-hause hat man dieDeutsche Pädagogik" geschmäht und an denPranger gestellt; ja, die Herren mögen recht haben, und es magalso des Herrenhauses würdig sein. Was wollten denn aber diedeutschen Pädagogen? Sie wollten eine breitere Grundlagelegen, um von da aus zum technischen Berufe übergehen zukönnen; sie wollten eine breitere Grundlage haben als das Ge-bäude, das man auf ihr aufbaut. Es sollte das Haus mit den