Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
Seite
82
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müssen. In die Ausgabe, die wir gebrauchten, waren gegentausend Bibelsprüche eingemischt, die mau nebenbei auch mitauswendig lernen mußte. Die achtzigste Frage des HeidelbergerKatechismus enthält die Frage nach der katholischen Messe. WennSie die darauf erfolgende Antwort nicht kennten, so möchte ichIhnen doch lieber die Antwort nicht sagen; denn ich schämemich, sie auszusprechen, und wenn ich dabei an Pädagogik denke,so tritt mir die Schamröte in das Gesicht, denn die Antwortlautet: die katholische Messe isteine vermaledeite Abgötterei". Diese Antwort lernen die Kinder. Solches müssen sie vonneuem uach dem Befehl des Ministers von Raumer und seinesKommissarius. Giebt es eine furchtbarere Blasphemie, giebt esein größeres Vergehen, an dem Seelenleben eines Kindes be-gangen? Und heißt das für die Eintracht und innere EinheitDeutschlands sorgen, für die Toleranz und gegenseitige Achtungder Bewohner desselben Landes und Stammes? Sie wollen,meine Herren, Deutschland stark und folglich einig gemacht wissen.Vortrefflich; aber wenn Sie es innerlich schwächen dadurch, daßSie alten verjährten Haß wieder auf die Beine bringen, heißtdas im wahren Interesse des Vaterlandes wirken? Ich habekeine Ursache um das hier beiläufig zu sagen den Bischofvon Mainz zu loben; aber die Anerkennung bin ich ihm schuldig,daß die beiden Katechismen, die er neuerdings eingeführt hat(die von Deharbe), sich gänzlich solcher blasphemischer Aus-drücke enthalten. Der Herr Regierungs-Kommissar schärftwiederholt den Lehrern ei», sie sollten die biblische Geschichteund alle Grundsätze derselben die Kinder erleben lassen diesist eines seiner Stichworte. Wie man aber die Kinder diebiblische Geschichte erleben lassen soll, das stelle ich Ihnen zumErraten anheim, wie z. B. die Versuchungsgeschichte Josephs,oder die der drei Männer im feurigen Ofen u. a. Wie sollen siedas erleben? Darauf giebt es nur erkünstelte Antworten.Aber die Grundsätze kann man doch erleben lassen! Nunwohlan. Denken Sie sich den Fall, daß ein Lehrer den Grund-satz obiger Vermaledeiung die Kinder erleben läßt, dadurch,daß er denselben ihnen vor lebt, was doch am eindringlichsten