Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
Seite
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Nun kommen die Lieder. Die Kinder sollen 30, höchstens40 Kirchenlieder auswendig lernen, Kirchenlieder nach altenTexten! Als ich dies zum erstenmale las, glaubte ich, ichkönnte nicht mehr sehen. Kirchenlieder nach den alten Textendes 16. und 17. Jahrhunderts, wie sie nicht mehr in den Ge-sangbüchern stehen! Diese Lieder, so vortrefflich dieselben auchmit ihren apokalyptischen Bildern und ihren herrnhuterischen

kein innerliches Wissen, keine Wahrheit. Die Wahrheit will und mußschlechterdings durch eigne Anstrengung erworben werden. Geschenkt kannsie keinem werden, geschenkt wird sie keinem. Wer dieses einsieht und csweiß, nicht weil er es von andern gehört hat und nachspricht, sondern weiler diese Wahrheit aus eigener innerer Erfahrung erkannt hat, wird dasvöllig Unsinnige und Absurde einsehen, das darin liegt, wenn einer, wieHr. t)r. Stahl, von gegebenen und zugebenden Wahrheiten redet;der wird eine Abscheulichkeit in dessen Forderung finden, sich derge-gebenen Wahrheit" zu unterwerfen; der wird einen Blick thun in den Stand-punkt des Herrenhauses, das solchen unsinnigen, despotischen, geistvcr-nichtenden BehauptungenBravo" zujauchzt. Der Herr Minister war mitseinem Kommissarius anwesend, ohne daß der eine oder der andere wider-sprochen hätte. Nach altem lateinischen Sprichwortstimmt der bei, dernicht widerspricht". Die Regulative bestätigen diese Annahme; dieselbenlegen es nur auf Verbreitung von Kenntnissen an; ihr höchstes Dichten undTrachten ist daher auf die Herbeischaffung fertiger Stoffe und daraufgerichtet, den künftige» Lehrern Fertigkeit in der Handhabung dieser fertigenStoffe anzueignen. Den Hauptwert auf den Erwerb von Erkenntnissen,d. h. auf selbständiges Erarbeiten der Wahrheit, zu legen, fällt ihnen nichtein, sie stehen durchweg auf orthodoxem Standpunkte, die Jünger sollen indie bestehenden Realitäten hineinwachsen, dieselben adoptieren und fort-pflanzen. Kenntnisse annehmen und verarbeiten und Wahrheit erkennensind ganz himmelweit voneinander verschiedene Dinge. Jene erzeugen denmitteilenden (dozierenden) Lehrer, auch den wortreichen Schwätzer: dieseden unterrichtenden Lehrer. Den Unterschied zwischen beiden kann manauch daran merken: wer bloß Kenntnisse hat, schließt ab, wird fertig; wersich Erkenntnisse erworben hat, schließt nie ab, wird nie fertig. Wer ab-schließt und fertig wird, hat nie selbständig zu denken angefangen; wer da-mit angefangen hat, hört damit nie wieder auf. Was weiter aus diesenUnterschieden folgt, wo die Anmaßung, die Herrschsucht, die Intoleranz, dieVerdammungswut die Rechtgläubigkeit und wo die entgegengesetztenEigenschaften zu finden sein werden; welche Unterrichts- und Bildungs-weise man daher einzuschlagen habe; wohin die didaktischen und methodischenVorschriften der Herren Stahl und Stiehl führen müssen: ich denke, dassagt jeder sich selbst.