Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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hat dies bestätigt daß die Kinder dieselben es sind einige60 buchstäblich auswendig lernen sollen. Es hat einer dieVerse derselben gezählt es sind deren 995. Diese 995 Versemit den 300 bis 350 Spruchversen machen etwa 1300 Bibel-oerse! Die Sonntags-Episteln sind den Kindern erlassen.Doch sollen sie den Wortlaut derselben verstehen. Bloß denWortlaut verstehen heißt: sie nicht verstehen*.

* Den Verfassern ist der ich muß sagen in betreff des Ein-flusses auf Bildung unermeßliche Unterschied zwischen Kenntnis undErkenntnis gänzlich verborgen; sie kennen und wollen nur jene, dieselassen sie außer acht. Kenntnisse lassen sich mitteilen, von dem, der sie be-sitzt, auf den, der sie nicht besitzt, übertragen; jener teilt sie mit, diesernimmt sie an, und wenn jener dann noch etwas thun will, so forscht ernach, ob der Acceptierende auch mit den Worten die richtige Vorstellungverbindet, und wenn er es so nicht findet, so hilft er nach. Das Wesenseiner Methode ist Mitteilung, Dogmatismus, gleichviel, ob die Mitteilungaus seinem Munde oder aus einem Buche erfolgt. Je runder und vollendeterdie Form dieser Mitteilung, je gewichtiger dem Lehrer der mitgeteilte In-halt erscheint: mit desto mehr Befriedigung schaut er auf sein Thun, destohöheren Wert legt er auf seine Arbeit. Das Höchste, was er erstrebt, istMitteilung gediegenen Inhalts in vollendeter Form, Verständnis des In-halts und Annahme der Form fertiger Stoff. Daß man nun so-wohl Kenntnisse und wörtliches Verständnis verbreitet, aber keine Erkenntnisund folglich keine Bildung erzeugt, liegt auf flacher Hand. Gesetzt, manverbreitet in jener dogmatischen Weise ganz freisinnige (sog. liberale) An-sichten; wird der Inhaber dadurch freisinnig? Durchaus nicht; man erlebtes ja alle Tage, daß derjenige, aus dessen Munde man nur liberale An-sichten gehört hat, zu den illiberalsten Handlungen fähig ist. Er hatte Kennt-nisse, keine Erkenntnis. Erkenntnis findet nur da statt, wo mansich die Einsichten, die Wahrheit, mit eigener Kraft erworbenhat. Kenntnisse lassen sich übertragen, Erkenntnis nicht. Kenntnis istäußerliches, tradiertes Wissen, es läßt kalt und tot; Erkenntnis ist innerstesVerständnis, es belebt, geht in den Charakter über. Nur muß man nichtglauben, daß das, was man Orthodoxie nennt, bloß auf dem Boden derreligiösen Buchstabengläubigkeit vorkomme, keineswegs; sie existiert ebensogut auf den Gebieten der Philosophie, Poesie, Pädagogik, man kann eben-so gut ein orthodoxer Hegelianer, Kantianer, Pestalozzianer sein, wie einorthodoxer Lutheraner, Calvinianer u. s. w.; wer die Sätze (Wahrheiten"kann man nicht sagen) anderer adoptiert und nachspricht, ohne sie durcheigenes selbständiges Denken als wahr erkannt zu haben, ist, gleichvielwelcher Art seine Kenntnisse sind, ein Orthodoxer, er besitzt ein äußerliches,