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Man greife nicht zuerst nach Biographien über Schiller,sondern nach ihm selbst, d. h. nach seinen Werken! Alan lese,studiere, genieße sie alle! Er hat nichts Unbedeutendes geschrieben.Wer nur seine Gedichte, nur seine poetischen Schöpfungen kennt,kennt ihn nur halb, nur einseitig. Seine Geschichtswerke, seineprosaischen Abhandlungen sind eben solche Meisterwerke wie seinepoetischen.
Erst dann, wenn man ihn selbst in sich ausgenommen, istes an der Zeit nachzusehen, was andere über ihn gesagt haben,wie er gelebt hat, und wie es ihm ergangen ist — erst dannkommt, wenn anders überhaupt, die Zeit der Kritik. Wer damitaufängt oder sich damit begnügt, das zu lesen, was die soge-nannten Litteraturgeschichten über ihn und von ihm berichten,bringt sich um allen Genuß, um allen Gewinn.
Unendlich reich ist unsere Litteratur über Schiller. Niemandhat daher Ursache, darüber zu klagen, daß ihm die Mittel fehlen,sich über Schiller, sein Leben und seine Werke gründlich zuunterrichten.
Daß ihn die Dunkelmänner aller Parteien bei Seite liegenlassen oder hassen, und Schwachköpfe uns mit Katechismus-fragen über die Beschaffenheit seines Innern molestieren, indemsie es sich zur Frömmigkeit anrechnen, ihn mit Glaubens- undGewissensfragen anzugehen und ihn, den Inkommensurabel», mitihrem hölzernen Blaßstabe zu messen, ist sehr begreiflich; erwird uns darum nur um so lieber, und er wird — man sage,was man wolle! — der Lieblingsschriftsteller der deutschenNation bleiben, und mit Recht rüstet man sich in allen Kreisen,in welchen deutsche freie Männer Geltung haben, zu einer würdigenFeier des Säknlarjahres seiner Geburt. Ihr Herz ist sein Grab.Die deutschen Lehrer dürfen und werden nicht zurückbleiben. „DieStätte, die ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht; nachhundert Jahren klingt sein Wort und seine That dem Enkelwieder." —
Zum Schluffe wollte ich meinen Lesern und mir dadurcheinen Genuß verschaffen, daß ich aus Schillers poetischen undprosaischeil Werken eine Anzahl von Kernstellen, auch solche, welche